Der diesjährige Ausflug führte nur knapp über die Kantonsgrenze ins Luzerner Weinland. Die Kaltbachhöhlen oder Käsekatakomben waren bei dem heissen Wetter ein idealer Zwischenstopp. Im südlichen Surental bieten verschiedene kleinere Weinproduzenten die Gelegenheit, Weine einer weniger bekannten Region kennen zu lernen.
Weingut Klosterhof in Aesch
Das Weingut liegt am südlichen Ende des Hallwilersees und wird in fünfter Generation von Familie Huwiler bewirtschaftet. Dieses Jahr feiern sie 120-Jahre-Jubiläum. Früher wurde vor allem Wein für die Benediktiner im Kloster Muri produziert. Deren Tagesration betrug zweieinhalb Liter pro Tag. Der Wein hatte aber nur etwa sieben Prozent Alkohol.
Noel Huwiler erzählt von den Rebsorten, die sie ab 2002 anbauen. Vorher war Obstbau vorherrschend. Speziell erwähnt er die Hitzkircher Rebe, eine überlieferte Sorte aus Bondola und Completer, die er als einziger anbaut. Das Gut umfasst fünfeinhalb Hektaren mit dreizehn Rebsorten. Seit 2010 keltern sie den Wein selber. Der Rosé liegt zwölf Stunden auf der Maische. Alle Rotweine werden mit Maischegärung und Kaltmazeration gekeltert. Sie beziehen die Barriques aus dem Rioja-Gebiet.
Degustiert werden durften folgende Weissweine: ein Abt Jodok Pinot gris, ein Abt Hironymus Sauvignon blanc und ein Rosé Abt Ambros aus Pinot noir Trauben. Von den klassischen Roten wurden ein Abt Ambros aus Pinot noir, ein Abt Dominikus aus Pinot noir/Diolinoir/Cabernet Dorsa/Gamaret/Divico eingeschenkt. Als Vergleich gab es einen Abt Bonaventura aus Gamaret und daneben einen Abt Bonaventura Barrique, ebenfalls aus Gamaret.
Alle waren gespannt auf die Premium Linie. Der Quercus aus Sauvignon blanc wird in einem Fass ausgebaut dessen Boden und Deckel aus Akazienholz gefertigt wurden. Der Cellarius, ein Gamaret, darf in neuen Barriques aus amerikanischer Eiche reifen.
Alles Käse?!?
Die Weinfreunde liessen sich in die Welt des Käsereifens in Höhlen einweihen. In dem zweieinhalb Kilometer langen Höhlenlabyrinth herrscht durchgehend eine ideale Temperatur von 12,5° C. Nur ausgewählte Käse dürfen hier nachreifen. Acht Sorten runde Käse und dazu Raclettekäse werden von Käsemeistern betreut und mit Maschinen gewendet, gewaschen und wieder ins Regal geschoben.
Bevor die Besuchenden die heiligen Käsehallen betreten durften, mussten sie Schutzkleidung anziehen sowie Hände und Schuhe desinfizieren. Sie nahmen staunend zur Kenntnis, dass in einem Höhlenquergang zweihundertfünfzig Tonnen Käse lagern und pro Tag zweitausend Laibe Raclettekäse das Lager verlassen.
Das Käsebuffet zum Lunch bestand natürlich aus den verschiedenen Kaltbach Käsen. Dazu durften je eine weisse und rote Assemblage Silhouette von Bataillard AG genossen werden.
Weinbau Meyer in St.Erhard
Ein Teil der Weinfreunde sind zu Fuss zum Rebgut Meyer spaziert, welches gleich neben den Kaltbachhöhlen liegt. Ruedi Meyer und Franz Schmid hiessen die Weinfreunde willkommen und stellten ihnen den Betrieb vor. Weinbau Meyer ist spezialisiert auf PIWI-Rebsorten, heute zukunftsorientierte Rebsorten genannt.
Weinbau Meyer befasst sich seit fast 20 Jahren mit Reben und hat 2009 den ersten Rotwein, einen Terreter Cabernet Jura auf den Markt gebracht. Die Reblagen befinden sich am Santenberg, einer südorientierten Seitenmoräne mit Sicht auf den Mauensee. Sandig, steinig, trocken, dem Westwetter ausgesetzt gedeihen die Reben in leichter Hangneigung. Der Wein wird nicht selber gekeltert. Daneben stellen sie fünf Edelbrände her.
Die Degustation fand nach einem Spaziergang durch die Reben im privaten Garten statt. Probiert wurden der weisse Trio Bianco und der Rosato sowie ein Rosso Scuro, der neun Monate im Barrique lagert und ein Cabernet Jura Reserva, der von Ruedi Meyer so beschrieben wird: Der Riserva entsteht aus den reifsten Trauben der Sorte Cabernet Jura aus den besten Terreter AOC Lagen. Selektiv gelesen und mengenbegrenzt kommt das Potential der Rebsorte noch mehr zum Ausdruck. Reinsortig ausgebaut und konzentriert reift der Riserva mehrheitlich in neuen Barriques, je nach Jahr zwischen 10 und 15 Monaten.
Die rund 30 Weinfreunde sind sich einig, dass sich der Abstecher kurz über die Kantonsgrenze gelohnt hat und das Luzerner Weinland einiges zu bieten hat. Das Gute liegt manchmal näher als man denkt!
Bericht verfasst von Judith Baumann nach Notizen von Esther Tschumi.
Album bildlicher Eindrücke des gelungenen Tagesausflugs