Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

Maientour: Aus Tradition anders denken

Der Titel des Artikels war das Motto der gesamten Maientour der Weinfreunde. Sie erfahren, dass Weinbau in Uhwiesen/Flurlingen nicht nur eine Adresse ist, sondern ein Lebensgefühl.

Als Erstes werden die Weinfreundinnen und Weinfreunde im idyllischen Weingut von Nadine und Cédric Besson-Strasser, Artisans-Vignerons, empfangen. Bei einer Rebberg Führung erhalten sie eine kompetente Erklärung zur Biodynamie und im neuen Barriquekeller – alternativ aus Stampfbeton erstellt – erfahren die Teilnehmenden, warum und wie ein ideales Kellerklima auch ohne maschinelle Klimatechnik entstehen kann.

Viel Interessantes erfahren die Besuchenden:

  • Auf dem Weingut werden vor allem Müller-Thurgau, Zweigelt, Pinot und Räuschling angebaut.
  • Ihr Sekt «zero dosage» hat keinen Zusatz. Sekt benötigt aber viel Säure, damit das Produkt nicht platt wird.
  • Früher spritzte man 80 Kilogramm Kupfer pro Hektare, heute sind es im traditionellen Weinbau gerade noch drei Kilogramm pro Hektare. Damit ist der Boden weniger belastet als früher.
  • Das Weingut verwendet als Schutzmassnahme ein Kräuterteekonzentrat, das aus Schachtelhalm, Brennnessel, Weide, Wallwurz und ähnlichem bestehen kann. Und dies wird gekocht. Es benötigt 100 Gramm von diesem Konzentrat auf eine Hektare.
  • Es muss einmal wöchentlich gespritzt werden.
  • Drohnen können diese Arbeit nicht erledigen, da die Unterseite der Blätter erreicht werden muss.
  • Das Weingut umfasst sieben Hektaren, eine davon liegt in Gächlingen.
  • In der Region ist ein Anbau von 30 Prozent weissen und 70 Prozent roten Trauben üblich. Besson-Strasser bauen je 50 Prozent weisse und rote Trauben an.
  • Im Rebberg kommen «Öko-Rasenmäher», sprich Schafe zum Einsatz, die neben dem Grasfressen praktischerweise auch gleich fürs Düngen sorgen.

Nach der Weindegustation mit einem Spezialitätenplättli schliessen die Weinfreunde den Besuch im ersten Weingut ab.

Auf Schusters Rappen

Beschwingt machen sie sich auf den Weg Richtung AROWA-Areal. Es liegen knapp drei Kilometer leichter Wanderweg vor ihnen. Alle sind gespannt, was sie in der Zwirnerei des Weingutes 8247 erwartet. Seit sechs Jahren bereits bilden sie mit Besson-Strasser eine bewährte Partnerschaft der Weingüter am Rheinfall. Auf die Wandernden warten Degustation und Essen.
Diverse Weine werden auf der Terrasse genossen. Hier wird eingehender über die seit fünf Jahren bestehende Partnerschaft «Rheinfallweine» informiert. Diese Verbindung ist offenbar von Erfolg gekrönt, eine win-win-Situation für alle Beteiligten. Das ausgezeichnete Essen wird von Daniela’s Grillwägeli geliefert und verwöhnt die Gaumen. Nach dem Essen folgen die Besuchenden Daniel Fink auf einem leichten, kurzen Spaziergang in die Flurlinger Reben.

In der Pergola beim Rebschopf überrascht Heiner Hertli mit seinem Besuch. Er ist wohl der prägendste Weinmacher in Flurlingen. Er hat ein enormes Wissen und erläutert viele wissenswerte Fakten. Unter anderem hat er die traditionsreiche Traubensorte Tokayer (Grauburgunder) mit viel Leidenschaft erfolgreich kultiviert. Daneben – quasi als «Sonntagshobby» – hat Heiner auch neue Rebsorten gezüchtet, zum Beispiel die rote Rebsorte «Pinorico» zwischen Kerner (weiss) x Pinot Noir (rot). Die Rebe wird heute im Kanton Zürich in geringer Menge (ca 0,3 Hektar Rebfläche) angebaut. Trotzdem hatten wir das Vergnügen von Heiner’s damaligen «Probeflaschen» der Abfüllung 2008 (!) und dem aktuellen Pinorico «Lola» 2022 des Weingut Lindetröpfli in Uhwiesen zu degustieren. Herrlich!

Ein kurzer Weg führt die Wandernden zur Hirschen-Trotte. Hier werden sie von Heiner und seiner Partnerin Edith aufs Allerfeinste verwöhnt. Zum Beispiel werden sie mit einer Sechs-Liter Flasche Tokayer mit Jahrgang 1992 überrascht. Die Bernsteinfarbe des Weines begeistert und alle sind erstaunt über die Qualität dieses Weines. Im weiteren Verlauf des Nachmittages werden noch weitere Trouvaillen aufgetischt. Zu erwähnen sei die Blauburgunder Auslese, ebenfalls Jahrgang 1992. Die Weinfreunde kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, welch ein toller Maientourenanlass!

Yvonne Birkner

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