Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

Die Weinfreunde Schaffhausen auf Tessinreise ... ein sehr genussreiches Update!

Hier finden Sie das pdfReiseprogramm in den Kanton Tessin, welches die Weinfreunde unternehmen.

Die Weinfreunde waren schon (zu) lange nicht mehr im Kanton Tessin auf Reise. Ein Tessin-Update erschien uns deshalb mehr als angezeigt und überfällig.
Vieles lässt sich für eine viertägige Reise planen, viele Tessiner Weinfreunde und Weinproduzenten haben uns dabei auch tatkräftig unterstützt. Dass es aber ausgerechnet bei «unseren» vier Reisetagen Tessin bestes, sonniges Wetter war, sowohl auf bei der An- wie Rückreise keinerlei Verkehrsprobleme gab und dass wir dort, wo es nötig war, absolut pünktlich oder sogar vorzeitig waren, ist weitgehend dem Zufall, aber auch der tollen Weinfreunde-Reisegruppe zu verdanken.

Die Führung und Degustation bei unserem ersten Besuchspunkt im Sopraceneri der Cantina Settemaggio in Giornico konnte deshalb pünktlich beginnen. «Settemaggio» (7. Mai), woher dieser spezielle Name? Ganz einfach: Settemaggio ist das Geburtsdatum von Raffaele, dem jüngsten der drei Geschwister Nicola, Eliana und Raffaele, welche heute das Unternehmen leiten. Powerfrau Eliana empfing uns im Barriquekeller für unser erstes Glas Wein im Tessin mit dem «Cana», einer weissen Assemblage der Rebsorten Merlot und Sauvignon Soyhières von Valentin Blattner. Weiteres erfuhren wir in deutscher Sprache, kompetent und mit viel charmantem Tessiner Akzent gepaart: Die schlichten Weinetiketten aller Weine sind immer mit der «Settemaggio-Weinranke» (geschützt) verziert, haben aber jeweils unterschiedliche Grundfarben. Die Weinnamen sind Fantasienamen mit Bezug, z. B. auf die biblische Hochzeit von Kana oder «Vindala» (Vino dell’Ala), d.h. Wein des Flügels. Für den Überfliegerwein Vindala werden von den Trauben der besten Merlotlagen jeweils «nur» die Beeren oben links und rechts abgeschnitten und angetrocknet. Genau diesen Wein genossen die Weinfreunde zum Abschluss der Degustation im Freien an der Sonne.

Möchte man mit einer Gruppe von über dreissig WeinfreundInnen Weine der Fratelli Meroni degustieren, so ist man gefordert, dies auswärts zu tun; die Cantina in Biasca ist zu klein dafür. Winzer Vincenco Meroni empfing uns deshalb im unteren Bleniotal zur Degustation von fünf seiner Weine und zum ersten, typischen Tessiner Z’Mittag im gemütlichen Grotto Canvett in Semione. Wo und wie genau der «Malpaisèda» auf die Welt kommt, ist Thema nach dem Mittagessen. Dabei besuchen die Weinfreunde zu Fuss zwei spezielle, eindrückliche Weinlagen des «Malpaisèda» in den «Sprüch» (was im Dialekt «Unterschlupf unter einem Felsen» bedeutet) von Ludiano. Übrigens: Die Trauben aus diesen Weinbergen legen im Herbst bei der Ernte jeweils den gleichen, kurzen Weg wie die Weinfreunde zurück: «Zu Fuss», aber in Gittern auf dem Rücken der sie tragenden Winzer – auch heute noch!

Eine relativ kurze Fahrt, teilweise im Stillstand auf der Autobahn zwischen zigtausend Frontalieris (Grenzgänger) auf dem Heimweg, führte uns nach Mendrisio in unsere Hotelbasis für die vier Tessintage.

Das war Reisetag 1, Do 18. April: Bitte Click auf die Foto für Vergrösserung und Album!

Der zweite Reisetag führte uns zuerst wieder nordwärts nach Bosco Luganese zu Theilervini direkt in die Reben. Auf gegen 5 Hektar Reben wird hier auf 400 bis 600m Höhe der «heroische Weinbau» betrieben, d. h. ohne Maschineneinsatz in den steilen Ronchi (terrassierte Parzellen). Winzer Ralph Theiler bemerkt «Es ist absolut undenkbar, die Rebarbeiten in diesen Hängen zu mechanisieren, deshalb haben wir keine Bodenverdichtung.» Die Reben sind auch mit Hagelnetzen geschützt, sowohl gegen Hagel, aber auch vor der gefrässigen Fauna.

Auf der Homepage des Winzers war eine Foto von Reben mit bester Aussicht auf den Luganersee zu sehen. Grund genug für die Reiseleitung, sich genau diesen Ort für das Willkommens-Glas zu wünschen. Ralph Theiler – übrigens ein waschechter Appenzeller (Innerrhoden!) – bemerkte dann auch, «dass es wahrscheinlich noch nie Schaffhauser gegeben habe, welche vor einem Merlotrebberg Pinot Nero probiert hätten». Der Blauburgunder-Rosato «Intenso» wusste auch unter diesen Umständen sehr gut zu gefallen. Nach kurzem Rebumgang, der schönen Aussicht wegen, erreichten wir über eine ziemlich enge und kurvige Strasse den Keller in Cademario. In der ehemaligen Postautogarage sind keine architektonischen, sondern ausschliesslich vinöse Höhenflüge zu erwarten. Verbunden mit einem Spuntino, drinnen und/oder draussen an der Sonne locker aufgeteilt, genossen wir gemütlich das schöne Angebot von Theilervini. Es braucht wirklich nicht einen Vorzeigekeller, um Weinkoriphäen zu keltern!

Szenenwechsel am Nachmittag zu Vini Rovio Ronco in Rovio: Nach kurzem Spaziergang von Rovio stehen wir am Rand der Rebberge vor der Cantina und staunen in die Tiefe zum Luganersee. Die Cantina, von der Tessiner Architektin Luigia Carloni konzipiert, liegt wie ein modernes Schloss da, wobei dennoch die Funktion vor der Form kommt. Am kühlenden Schatten wurde uns der erste von fünf Degustationsweinen, ein «fadengrader» Chasselas aus Reblagen in Pugerna eingeschenkt. Ein Chasselas im Tessin? Auch das gibt es. Die Liebe zu dieser Sorte stammt von der Zeit im Lavaux des langjährigen Vorbesitzers Gianfranco Chiesa. Adhoc wurde dann auf unseren Wunsch hin die Degustationsfolge von einem Merlot rosato auf einen Rosato aus «uva americana» umgestellt, toll! Nach drei unterschiedlichen Merlot-Qualitäten zum Abschluss, wurden wir minutengenau «auf der Strasse» an der engsten Kurve der Reise von unserem Busfahrer wieder aufgeladen; das war kein Zufall!

Übrigens, Nachtessen gab es auf dieser Weinfreundereise auch und zwar von der höchst genussvollen Sorte. Zwei seien hier erwähnt: Der «Corte del Vino Ticino» bot uns in der Sala del Frantoio im Mulino del Ghitello in Morbio Inferiore als Highlight einen hochstehenden Viergänger mit auserlesener Tessiner Weinbegleitung. Und … wer schon mal im urtypischen Grotto Bundi in Mendrisio alle Cantine speisen durfte, weiss, dass zur täglich und immer über dem offenen Feuer zubereiteten, originalen hauseigenen Polenta, alles andere wie Fleisch, Pilze, etc. wirklich nur Beilage ist!

Das war Reisetag 2, Fr, 19. April: Bitte Click auf die Foto für Vergrösserung und Album!

Samstag wurden im Programm gleich zwei Kontrapunkte gesetzt: Auf Vermittlung unseres Weinfreunds und Sektionspräsident Mendrisiotto Antonello Grassi war zuerst der Besuch des sehenswerten Kaffeemuseum von «Caffè Chicco d’Oro» in Balerna angesagt. Nebst vielen Informationen wurde natürlich auch ein oder zwei Tässchen Chicco d’Oro-Kaffee probiert und – wer hätte das an diesem Ort gedacht – bereits der «Bianco del San Giorgio» von Fumagalli, des folgenden Kontrapunkts, gekostet!

Was dann mit «Bike & Wine Mendrisiotto» geboten wurde, war ein einzigartiges Erlebnis, eine enogastronomische Fahrradtour durch die Hügel des Mendrisiotto! Nach etwas weiterem Doping, d.h. Spuntino bei Fumagalli, war bei Vini Ortelli in Corteglia die nächste Degustation mit Häppchen und Bike fassen angesagt. Immer in leichtem Gefälle, mit vorfahrenden Guides und veritablem «Besenwagen» am Schluss wurden verschiedene Weinproduzenten angefahren: Piccola vigna in Coldrerio, die Landwirtschaftliche Schule Mezzana in Coldrerio und schlussendlich Finale bei Borgovecchio wieder in Balerna. An allen diesen Zwischenstationen konnte man die Winzer persönlich kennenlernen und bei Speis und Trank weitere lokale Köstlichkeiten geniessen. Für das ganze Samstagsprogramm war eigentlich Antonello Grassi gesorgt, grazie di cuore Antonello!

Das war Reisetag 3, Sa, 20. April: Bitte Click auf die Foto für Vergrösserung und Album!

Am vierten und letzten Reisetag war der Heimweg Richtung Norden angesagt, nicht aber ohne ein zünftiges Ausrufezeichen! Dieses wurde mit dem Besuch der Cantina Urs Hauser in Contone, wieder im Sopraceneri gesetzt, und wie. Einem kurzen Spaziergang mit Patron Urs Hauser und Compagnon Stefano Fuso durch die Reblagen in der Nähe folgte die Abschluss-Degustation der Weine der Cantina, begleitet vom sensationellen Mittagessen in der Osteria Bisnona, schon fast ein «Wine & Dine»! In Sachen Weine wurden so ziemlich alle Register gezogen, d.h. von allen Weinen, verschiedenen Jahrgängen, aus Magnumflaschen, etc. wurde gekostet, ein wahrer Genuss. Wenn dann noch Busfahrer und Weinfreund Christian sein Akkordeon zur Hand nimmt und «So ein Tag, so wunderschön wie heute …» anstimmt, dann hat er damit genau das richtige Fazit für dieses gesamte Tessin-Update gezogen; es war wirklich wunderschön! Vielleicht war es für einige WeinfreundInnen seit langer Zeit wieder die erste Reise ins Tessin. Aber gewiss nicht die letzte, garantiert!

Das war der (letzte) Reisetag 4, So, 21. April: Bitte Click auf die Foto für Vergrösserung und Album!