Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

13. bis 16. August 2026

40 gut gelaunte Mitglieder der Weingilde GALLUS, ein Chauffeur namens Kurt und ein grauer Skoda machten sich am Donnerstagmorgen um Punkt 06.00 Uhr auf den Weg nach Würzburg. Pünktlichkeit ist schliesslich eine Schweizer Tugend – zumindest beim Abfahren.

Kaum waren wir unterwegs, wurde es im Car bereits munter. Bei der ersten Zwischenverpflegung sorgten Erika und Simon mit Silvaner vom Walliser Weingut Cave du Chavalard  und Zakia und Christian Wurster mit feinen Partybrötli dafür, dass niemand Gefahr lief, nüchtern in Würzburg anzukommen. Herzlichen Dank!

Donnerstag – Öko, Residenz und Kellergewölbe

Erster Halt: das Bioland-Weingut Kraemer in Auernhofen. Stefan Krämer erklärte uns seinen vielseitigen Betrieb und seine Philosophie «Öko logisch». Im Gewölbekeller folgte eine Bioweinprobe mit spontan vergorenen, ungeschönten und unfiltrierten Weinen. Authentisch, spannend – und für einige von uns durchaus eine kleine Herausforderung für den Gaumen. Zum Glück gab es dazu ein hervorragendes, deftiges fränkisches Vesper.

In Würzburg bezogen wir unser Quartier im historischen Hotel Rebstock und machten uns anschliessend mit Wolfgang auf zur Residenz. Was Balthasar Neumann und Giovanni Battista Tiepolo dort hingestellt beziehungsweise hingemalt haben, ist schlicht gigantisch. Beim Anblick des Treppenhauses und des riesigen Deckenfreskos mit den vier Kontinenten wurde selbst der eine oder andere GALLUS kurzfristig sprachlos. Kurzfristig!

Danach ging es hinunter in den Staatlichen Hofkeller – und damit genau dorthin, wo sich eine Weingilde naturgemäss am wohlsten fühlt: unter die Erde. Mathias Köhler führte uns durch die eindrucksvollen Gewölbe und schenkte uns feinste fränkische Tropfen ein.

Der erste Tag endete im Backöfele bei uriger fränkischer Küche. Ein langer Tag ging zu Ende – und erstaunlicherweise fanden alle den Weg zurück ins Hotel.

Freitag – Mainschleife, Weinprobe und Festlaune

Am Freitag führte uns der Weg zum Weingut Rainer Sauer nach Escherndorf. Wein und Architektur überzeugten – ebenso wie die Aussicht von der Vogelsburg über die weltberühmte Mainschleife.

Bei Silvanersuppe, fränkischen Spezialitäten und Weinen vom Juliusspital liess es sich bestens aushalten. Man könnte fast behaupten: Wir waren auf Kulturreise.

Am Nachmittag wartete das Weingut Zur Schwane, wo wir im kühlen Keller eine weitere Weinprobe genossen. Bei den inzwischen sommerlichen Temperaturen war der Aufenthalt im Keller ohnehin nicht nur kulturell, sondern auch klimatisch äusserst sinnvoll.

Am Abend dann das grosse Finale: das Fränkische Weinfest in Volkach. Unzählige Weine, feines Essen, schattige Bäume und beste Stimmung. Spätestens jetzt war klar: Franken versteht etwas vom Wein – und vom Feiern sowieso.

Samstag – Muschelkalk, Juliusspital und «Save Water, drink Wine!»

Der Samstag begann mit einer Führung durch die weltberühmte Lage Würzburger Stein. Peter Rudloff brachte uns Terroir, Muschelkalk und die Besonderheiten des fränkischen Weinbaus näher. Besonders der Silvaner zeigte einmal mehr, warum er hier zu den ganz Grossen gehört.

Danach stand das Juliusspital auf dem Programm. 250 Meter Holzfasskeller, historische Räume, Rokoko-Apotheke und jede Menge Weinwissen – ein Paradies für Augen und Gaumen.

Dann allerdings meinte es der Wettergott etwas zu gut mit uns: 39 Grad!

Bei dieser Temperatur bekam der Satz «Save Water, drink Wine!» plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Und auf der Alten Mainbrücke wurde deshalb pflichtbewusst ein Brückenschoppen verkostet. Schliesslich muss man bei 39 Grad auf seine Flüssigkeitszufuhr achten.

Die beinahe 900 Jahre alte Brücke mit ihren zwölf überlebensgrossen Barockstatuen bot dazu die perfekte Kulisse. Und falls jemand wissen wollte, ob Würzburg auch ohne Wein schön ist: Wir haben es nicht ausprobiert.

Sonntag – Käppele, Gala und Abschied

Zum Abschluss spazierten wir am Sonntagmorgen hinauf zum Käppele, der wunderschönen Wallfahrtskirche nach den Plänen Balthasar Neumanns. Ein wenig Bewegung nach drei Tagen Wein war durchaus angebracht – schliesslich wollten wir beim Gala-Essen noch Reserven haben.

Im Restaurant Nikolaushof hoch über Würzburg verabschiedeten wir uns bei einem festlichen Essen und grandiosem Blick ins Maintal von unserem Reiseleiter Wolfgang Patzwahl. Mit viel Wissen, Geschichten und Humor hat er uns Land und Leute nähergebracht und dafür gesorgt, dass auch die kulturelle Bildung nicht zu kurz kam.

Unser grosser Dank geht an Kaspar Wetli und Köbi Frischknecht, die diese Reise hervorragend organisiert und uns ein Programm zusammengestellt haben, bei dem eigentlich nur eines fehlte: ein fünfter Tag.

Und natürlich an unseren Chauffeur Kurt Hanselmann, der uns souverän, ruhig und sicher wieder nach Berneck brachte. 39 Leute hin und 39 Leute zurück – allein dafür gebührt ihm eigentlich eine eigene Weinprobe.

Fazit

Vier Tage Würzburg und Franken: viel Wein, noch mehr Genuss, Kultur vom Feinsten und jede Menge Geselligkeit.

Wir haben gelernt, dass fränkischer Silvaner Charakter hat, Muschelkalk nicht nur ein Boden ist, Keller auch bei 39 Grad angenehme Temperaturen haben – und dass eine Weingilde erstaunlich viel Kultur verträgt, solange zwischendurch ein Glas Wein bereitsteht.

Kurz gesagt: Eine Reise, die nicht nur im Gedächtnis, sondern hoffentlich auch noch lange im Weinglas nachklingen wird.

Prost – auf die Weingilde GALLUS! - wünscht Berichterstatterin Andrea Baumgartner  Fotos: Diverse

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