Mels: Der Tradition folgend besuchte die Weingilde Gallus den «MELSER RATHAUSKELLER» und bot dem St. Galler Betrieb im Oberland Gelegenheit, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Was ihm bravourös gelang!
Wechselhaftes Wetter – dafür ehrliche, klare und ausgezeichnete Weine
Der Präsident der Weinbaugenossenschaft Mels, Reto Albrecht, begrüsst unsere Gruppe von 40 Weinfreundinnen und Weinfreunden am Nachmittag sehr herzlich auf dem Rathausplatz – direkt über dem Weinkeller - als schon die ersten Regentropfen fallen. Hier hätten wir gerne den gemütlichen Teil dieses Nachmittags verbracht, doch das zuerst regnerische und unsichere Wetter zwingt uns später für den gemütlichen Degustations- und Kulinarik-Teil ins Innere des Rathauskellers.
Mit einem Glas Schaumwein Federweiss 2022 machen wir uns auf zur Besichtigung des Weinkellers und der verschiedenen Arbeitsräume. Reto Albrecht erklärt uns die Historie rund um diesen Traditionsbetrieb.
Dunkel und muffig sei es über Jahrzehnte im Melser Rathauskeller gewesen, so wie es sich für ein altes Kellergewölbe eben gehöre. Dann kam die grosse Veränderung. Seit September 2019 werden hochwertige Weine im neuen Weinkeller produziert. Hier wird nach dem neusten Stand der Technik gekeltert, vinifiziert, abgefüllt und gelagert. Damit werden höchste Qualitäts- und Hygieneanforderungen erfüllt.
Seit Herbst 2020 präsentieren sich auch Gewölbe und Räumlichkeiten nach aufwändigen Renovierungs- und Umbauarbeiten hell, freundlich und schlicht, zugleich stilvoll eingerichtet. Eben ein gemütlicher Treffpunkt für Jung und Alt im Herzen von Mels, wovon wir uns überzeugen durften und hundertprozentig bestätigen können.
Der Melser Rathauskeller trägt seinen Namen zu Recht. Die Kellerei befindet sich nämlich in den Räumen des Rathauses am Dorfplatz in Mels. Das ist schweizweit ein Unikum. Hier reift der Wein in grossen Tanks oder kleinen Eichenfässern.
Die Weinbaugenossenschaft Mels ist ein Traditionsbetrieb, besteht sie doch seit 1938, zählt 70 Mitglieder und bewirtschaftet 8,3 ha im Nebenerwerb. Meist befinden sich die Parzellen seit Generationen im Familienbesitz.
Platz 2
Für Rätselraten sorgte die Bezeichnung „Platz 2“ auf den Etiketten von Chardonnay Barrique und dem Pinot Noir Barrique. Dieses Geheimnis ist gelüftet. Seit über 50 Jahren ist das Rathaus von Mels im heutigen Gebäude am Platz 2 beheimatet, was auf den Etiketten verewigt wird.
Geschäftsführer und Kellermeister Toni Bardellini – er wurde übrigens tags zuvor für seine 25-jährige Betriebszugehörigkeit geehrt – führt uns durch den Weinkeller, der im Jahre 2019 modern um- und ausgebaut worden ist. 75.000 Flaschen werden pro Jahr abgefüllt. Toni, Bündner und echter Fläscher, versteht sein Handwerk wie seine Kollegen in der Herrschaft. Sein Vorteil, er verkauft zu St. Galler Preisen!
Pfarrwingert
Das Wetter scheint unserer Gruppe zwischendurch gut gesonnen zu sein und so führt uns Reto Albrecht in den wenige Gehminuten entfernten Pfarrwingert.
Hier erfahren wir zwischen einem Glas Riesling-Sylvaner 2023 und einem Glas Pinot Gris 2023, dass das Gros der Fläche mit Blauburgunder-Reben bepflanzt wird. Die Weinbaugenossenschaft Mels baut auch Trauben für Riesling-Silvaner, Chardonnay, Weissburgunder, Kerner, Sauvignon Blanc, Pinot Gris, Regent und Gamaret an.
Nach sehr interessanten und ausführlichen Informationen von Reto Albrecht über das Weingut und die Region begeben wir uns wieder in den Rathauskeller, wo ein reichhaltiges Bauernbuffet mit lokalen Köstlichkeiten bereits auf unsere hungrige Gruppe wartet.
Jetzt werden wir nach Belieben mit weiteren weissen Spezialitäten wie Kerner 2023, Sauvignon Blanc Sargans 2023, Weissburgunder 2023 und Chardonnay Barrique 2022 zur feinen Jause verwöhnt. Unsere anregenden Gespräche werden mit verschiedenen Rotweinen wie Pinot Noir Mels 2023, Pinot Noir Barrique Mels 2021, Sinfonie 2022 und Naturalis 2021 begleitet.
Reto Albrecht bittet uns nochmal in den Keller – diesmal in den Barriquekeller, wo wir eine Fassprobe Pinot Noir Barrique 2024 probieren dürfen. Auch dieser Wein mundet bereits und macht Lust auf mehr.
Zeremonienmeister Charles Martignoni bedankt sich nach üppigen Dessertstückli bei unseren Gastgebern Reto Albrecht und Toni Bardellini in gewohnt dichterischer Form mit einem Geschenk. Gildenmeister Franz Bertsch schliesst den offiziellen Teil dieses wunderbaren Erlebnisnachmittags mit dem Dank an Charles Martignoni für die tolle Organisation.
Zum Schluss gibt es für unsere Gruppe noch ein «Lob» von Reto Albrecht. Wir waren eine der grösseren Gruppen im Melser Rathauskeller. Auffallend nicht nur unser Wissensdrang, sondern auch Durst und Freude an hochwertigen, ehrlichen und sehr bekömmlichen Weinen.
Text: Franz Bertsch, Gildenmeister Weingilde Gallus Bilder: Erika Brülisauer