30 unerschrockene Weinfreundinnen und -freunde machten sich Mitte August auf den Weg ins ferne Burgenland. Fünf Tage lang drehte sich alles um das, was die Weingilde schon im Namen trägt: Wein, seine Geschichten, seine Typizität – und vor allem die Menschen, die ihn mit Herzblut erzeugen.
Tag 1 – Früher Vogel trifft auf Esterházy: Noch bevor der Hahn sich zum ersten Kikeriki durchrang, sassen wir schon im Bus. Eigentlich wäre die Anreise anders gedacht gewesen, doch Sanierungsarbeiten in Altenrhein und Streckenunterbrüche bei der ÖBB liessen uns keine Wahl. Wir nehmens gelassen: Flexibilität ist das halbe Leben.
Die Fahrt verlief erstaunlich reibungslos, und so landeten wir verfrüht beim ehrwürdigen Weingut Esterházy. Dort tauchten wir gleich ein in die Geheimnisse von Boden, Rebe und Terroir – mit einem Glas in der Hand versteht sich. Das erste burgenländische Dreigangbuffet liess keinen Zweifel: Hier weiss man, wie man Gäste willkommen heisst.
Im Seehotel Rust am Neusiedler See warteten nicht nur Betten, sondern auch die legendäre „Elfenbar“ – ein lauschiger Platz im Ort, an dem der Abend garantiert länger dauert, als man denkt.
Tag 2 – Bio-Wein, Wellness und eine Prise Disco-Fieber: Nach einem Frühstück, das mehr nach Festschmaus klang als nach Start in den Tag, führte uns der erste kurze Weg zum Bio-Weingut Schreiner. Gernot und Victoria bewirtschaften mit Hingabe 7,5 Hektar – und ihr verwinkelter Keller hätte glatt als Filmkulisse für ein vinophiles Drama mit dunklen Gestalten getaugt.
Rust ist sowieso ein Paradies für Weinfans: In der kleinen Stadt gibt es mehr Winzerhöfe als Briefkästen. Über 30 wie uns berichtet wurde und bewirtschaften um die 300 Hektar – also klein- bis mittelstrukturiert.
Der Abend aber gehörte der Bühne: Mit dem Schiff ging’s zu den Seefestspielen Mörbisch, wo «Saturday Night Fever» mit Tanz, Gesang und einem Wasserspektakel so ziemlich alles bot, was das Herz begehrt. Auf der Rückfahrt über den See war die Begeisterung förmlich greifbar – und der obligatorische Schlummerbecher war Ehrensache.
Tag 3 – Ein bisschen aus dem Zeitplan gefallen: Gestärkt vom Frühstück (ja, schon wieder…), teilten wir uns in zwei Gruppen: Feiler-Artinger und Hammer standen auf dem Programm. Beide überzeugten mit Spitzenweinen, und so geriet Weinmagistra und Reiseleiterin Beas minutiös geplanter Zeitplan bald ins Wanken. Aber wen stört schon die Uhr, wenn der Wein passt?
Nachmittags wartete Sepp Leitgeb mit seiner Buschenschank. Er erzählte Geschichten, schenkte nach und servierte so deftig, dass das geplante Abendessen kurzerhand obsolet wurde. Der restliche Abend verlief frei nach dem Motto: Wellness, Wein oder weiterziehen – und für die Hartgesottenen ging’s bis in die frühen Morgenstunden.
Tag 4 – Blaufränkisch in XXL: Im Weingut Eichenwald in Horitschon trafen wir auf eine neue Dimension: 400 Hektar, Kelleranlagen wie Kathedralen und Stahltanks so gross (bis 840'000 L), dass mancher überlegte, ob man darin nicht auch hätte baden können.
Hannes Berger führte uns kenntnisreich durch sein Reich, und spätestens bei der Degustation war klar: Einkaufstüten würden heute schwerer als sonst werden.
Der Abend krönte die Reise: Gala im Wintergarten, festliche Kleidung, Orden am Revers und ein Menü, das keine Wünsche offenliess. Ein würdiger Höhepunkt, bei dem Wein, Genuss und Geselligkeit Hand in Hand gingen.
Tag 5 – «More than Wine» bei Leo Hillinger: Zum Abschluss besuchten wir noch den charismatischen Leo Hillinger. Sein Motto «More than Wine» war keine leere Phrase: Leidenschaft, Marketingtalent und ein modernes Bio-Weingut mit 100 Hektar sprechen für sich. Überhaupt überraschten uns die Tage die ungewohnt vielen Bio-Verkostungen.
Die Degustation konzentrierte sich auf seine Top-Weine – köstlich, aber auch preislich selbstbewusst. Zum Mittagsbuffet durften dann die etwas zugänglicheren Tropfen ins Glas, und auch die überzeugten restlos.
Mit Dank an alle Organisatoren – allen voran Bea Blattner, unsere Weinmagistra und Reiseleiterin, ihr Mann Thomas sowie Petra Schlegel als Gildenschryberin – machten wir uns schliesslich auf die Heimfahrt. Dank cleverem Chauffeur und ein wenig Glück erreichten wir vor Mitternacht wieder die Heimat.
Eine Anmerkung zum Schluss. Bei jedem Betrieb bedankten sich Gildenmeister, Weinmagistra und Zeremonienmeister in nicht alltäglichem, dichterisch feierlichen Ritual im Namen der Weingilde Gallus. Die überreichte handgefertigte Glaskaraffe mit dem Gildenlogo wird unseren Besuch in wacher Erinnerung halten und unterstreicht unsere Wertschätzung gegenüber den besuchten Weinbaubetrieben. Details zu denselben im angefügten Reiseprogramm.
Fazit: Das Burgenland ist ein Juwel: Ruhe, Erholung, Weine von Weltklasse und Küche aus der Region. Noch wichtiger: Freundschaft, Herzlichkeit und Gespräche, die bleiben. Kein Wunder, dass sich alle schon jetzt auf die nächste Reise freuen – 2026 ins Frankenland.
Bericht verfasst von Charles Martignoni