Sprache auswählen

 

Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

Jungweine: Unveröffentlichte Weinmomente entdecken

Zehn ausgewählte Weissweine, darunter drei Muscaris, die im Sinne der Nachhaltigkeit neu gepflanzt wurden, sowie zwei im Barrique ausgebaute Weine wurden präsentiert. Einige dieser Weissweine sind noch nicht abgefüllt oder befinden sich teilweise noch in der Versuchsphase. Ergänzt wurde das Sortiment durch fünf charaktervolle Rotweine aus Winterthur, Maienfeld und Malans. Die Selektion vereinte Experimentierfreude, Regionalität und den bewussten Umgang mit Ressourcen.

Paolo Goglia, Betriebsleiter und Pauline Kruseman, Kellermeisterin führten mit viel Fachwissen und Leidenschaft durch den Abend und gaben interessante Einblicke in die aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen.
In der Schweiz ist ein Konsumrückgang von rund 9% zu verzeichnen. Während der Konsum von ausländischen Weissweinen stabil bleibt, steigt der Preisdruck kontinuierlich. Auch die Erntemenge bereitete im vergangenen Jahr Sorgen. Im 2024 konnten nur rund 52-53% der möglichen Ernte eingebracht werden.

Den Auftakt der Degustation machten fünf Weissweine des Jahrgangs 2024. Der Goldenberg Riesling-Silvaner aus Winterthur mit 12.7 vol.% überzeugte mit seiner geschmeidig fruchtigen Note. Der Felsberg Riesling-Silvaner aus Graubünden zeigte einen klaren, mineralischen Geschmack auf. Diese Charakteristik verdankt er den Reben, die am Fusse des Calanda – verwurzelt in vulkanischem Gestein wachsen. Mit intensiver Würze und lebendiger Säure glänzte der Räuschling aus Weiningen – ein typischer Vertreter dieser alten Rebsorte. Der Pinot Gris aus Hallau war mit 5.8g/l Säure und 1.3 g/l Restsüsse am Gaumen weich und wies einen leichten Hauch von Mirabellen auf. Der Abschluss bildete der Elbling aus Ermatingen, der mit einer leichten Frische und animierenden Säure einen Grossteil unserer Weinfreunde begeistern konnte.

Muscaris – eine nachhaltige Rebsorte im Versuchsanbau Der Muscaris ist eine Kreuzung aus den beliebten Traubensorten Solaris und gelbem Muskateller. Insgesamt werden derzeit rund 3 bis 4 Hektaren mit der robusten Rebsorte Muscaris bepflanzt. Die daraus entstehenden Weine befinden sich aktuell noch in der Versuchsphase und sind daher nicht im Verkauf erhältlich. Dennoch zeigen erste Ergebnisse vielversprechende Qualitäten. Die verschiedenen Muscaris-Varianten werden unterschiedlich vinifiziert:

  • Muscaris 1 durchläuft eine Maischengährung dabei steht eine klassisch fruchtige Note im Vordergrund
  • Muscaris 2 bleibt etwa einen Tag länger auf der Maische als die Grundversion, zudem werden Eichenholz-Chips zur Aromatisierung beigegeben.
  • Muscaris 3 wird am dritten Tag nach der Maischengährung abgepresst. Auch hier kommen Eichen-Chips zum Einsatz, um dem Wein zusätzliche Struktur und Komplexität zu verleihen.

Diese ersten Schritte dienen zur Erprobung und Weiterentwicklung eines potenziell zukunftsweisenden Weinstils.

Es folgten weitere zwei Weissweine, der Sauvignon Blanc Trimmis, Barrique und der Completer Malans. Der Sauvignon Blanc, 50% in gebrauchtem und 50% in neuem Holzfass gereift, zeigt einen feinen, fruchtigen Geschmack mit angenehmer Holznote auf. Der Completer Malans hat eine frische Säure und ein leichtes Stachelbeer- und Grapefruit-Aroma.

Zum Abschluss wurden fünf Rotweine der Sorte Pinot Noir degustiert. Die Vielfalt der Weine spiegelte eindrucksvoll die regionalen Unterschiede wider. Der Stadtwein BB Winterthur ist ein fruchtiger Pinot mit Aromen von roten Beeren und einer angenehmen Frische. Der Winterthur Goldenberg. 13.0 vol.% überzeugt mit einer würzigen Note und einer eleganten Struktur. Der Pinot Maienfeld BB AOC zeigt sich kräftig und mit feiner Frucht. Reich an Mineralien und einer Note von dunklen Beeren präsentiert sich der Malans BB AOC. Hingegen der Malans BB AOC Barrique zeigt noch einige Ecken und Kanten auf. Es ist ein vielschichtiger Wein mit Reifepotential. Diese abschliessende Degustation bot einen gelungenen Querschnitt durch die Schweizer Pinot-Noir-Vielfalt.

Die heutige Verkostung bot eine einmalige Gelegenheit, die jungen Weine kennenzulernen – frisch, charaktervoll und voller Potenzial. Es war ein interessanter Abend voller Eindrücke, Aromen und spannender Gespräche. Michael Rück bedankte sich bei Paolo Goglia sowie Pauline Krusemann für die engagierte Arbeit und den gelungenen Rahmen dieses Abends.
Schön zu sehen, wie unsere Weinfreunde sich inspirieren lassen, mit Neugier probieren und sich angeregt über ihre Eindrücke austauschen.
Auf weitere genussvolle Begegnungen – zum Wohl!

Monika Di Michele