Seit mehreren Jahrhunderten wird im Kloster Einsiedeln Wein gekeltert. Das diese grosse Tradition nicht langweilig sein muss, bewies uns ihr Kellermeister Dominic Mathies mit seinen Weinen und einem lebhaften Referat.
Ende November trafen sich 28 Weinfreunde im Restaurant Strauss in Winterthur zur Weingala. An diesem Abend erfuhren wir viel Interessantes über die Weinlagen des Klosters am Zürichsee und im Zürcher Unterland. In den Rebbergen Leutschen, Insel Ufenau, Unterengstringen und Weiningen (Kloster Fahr) werden auf 12 Hektaren vor allem autochthone Rebsorten angebaut und die Weine werden in der Klosterkellerei in Einsiedeln vinifiziert.
Zum Apéro wurden zwei Müller-Thurgau ausgeschenkt, von denen der komplexere Vertreter aus dem Kloster Fahr etwas besser gefiel. Begleitet von den Erläuterungen von Dominic wurde am Tisch eine Dreierserie verkostet. Der im Anbau schwierige Elbling überzeugte mit seiner Leichtigkeit und einer dezenten Säure. Am Zürichsee heimisch, zeigte sich der Räuschling gehaltvoll und mit einer frischen Zitrusnote. Der in einem schönen blassrosa gekelterte Pinot Gris gefiel dank seiner vollen Aromatik nach reifen gelben Früchten.
Als Zwischengang wurde ein geräucherter Lachs in Begleitung der beiden Schaumweine Vivus Extra und Vivus Rosé Extra brut serviert. Insbesondere die Kombination des Lachses mit dem aus Pinot Noir und Chardonnay gekelterten Rosé-Schaumweins begeisterte. Der Hefeausbau von 24 Monaten macht diesen Sprudler zu einem hervorragenden Essensbegleiter.
Zusammen mit einer Pinot Noir-Serie wurde der Hauptgang aufgetragen. Zum Hirsch-Entrecòte mit Knöpfli und Gemüse wurde der Pinot Noir Weiningen, der Pinot Leutschen und der Barrique-Wein Konvent eingeschenkt. Bei allen Weinen werden grosse Holzfässer und Barriques für den Ausbau verwendet. Der Pinot Weiningen gefiel mit seiner klassischen Blauburgunder-Farbe und den beerigen Noten. Beim Pinot Leutschen sind die Tannine deutlich kräftiger. Nur die besten Trauben aus den besten Lagen werden für den Konvent verwendet. Im Jahre 2022 wurden die Trauben mit über 100 Oechsle gelesen und es konnte ein sehr kräftiger, gehaltvoller Wein gekeltert werden. Alle drei Weine harmonierten perfekt mit dem Hauptgang.
Die Cuvée Cuva aus Leutschen ist ein Wein, der aus angetrockneten Gamaret-Trauben gekeltert wird. Der Ausbau erfolgt in neuen Fässern und der Wein wurde mit 15,8 Volumenprozenten abgefüllt. Der degustierte Jahrgang 2022 erwies sich noch als sehr jung. Für den höheren Trinkgenuss kann der Wein noch einige Jahre gelagert werden. Als Zweitwein zum Dessert wurde der Primas Leutschen ausgeschenkt. Bei diesem Produkt aus Pinot Noir-Trauben wird ähnlich wie beim Portwein die Gärung mit hochprozentigem Marc abgestoppt. Das gelungene Zusammenspiel von Süsse und Säure in diesem Wein bildete einen glanzvollen Abschluss des Anlasses. Dominic Mathies wurde für die gelungene Weinverkostung und seine mit grossem Engagement vorgetragenen Erläuterungen mit grossem Applaus verabschiedet.
Michael Rück