Ein Tagesausflug führte 18 Weinfreundinnen und Weinfreunde der Sektion Zürcher Weinland in den thurgauischen Ottenberg oberhalb von Weinfelden. Beim Besuch von zwei Weingütern konnten wir uns von der hohen Qualität der Weine überzeugen und am Ende des Tages war jeder Teilnehmer eine Heldin oder ein Held.
Am Ottenberg im oberen Thurtal wachsen an einem Südhang auf rund 56 Hektaren die Hauptsorten Müller-Thurgau und Blauburgunder. Das milde Klima, die fruchtbaren Böden und die sorgfältige Arbeit der Winzer sind ausschlaggebend für die hohe Qualität der produzierten Weine. Sechs Rebbetriebe keltern ihre Weine selbst und eine Vielzahl raubenproduzenten liefern ihre Trauben an leistungsfähige Weinhandelsbetriebe. Alle Winzer sind bemüht, das prächtige Landschaftsbild sorgfältig zu pflegen.
Forster Weinbau
Nach der Anfahrt über Winterthur und Wiesendangen hielt unser Reisecar erstmals beim Weingut von Benno Forster. Dieser Familienbetrieb wird mittlerweile in der sechsten Generation geführt und vom Weinkeller hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Rebberge und die Thurebene. Infolge Ferienabwesenheit von Benno Forster wurden wir von seinem Sohn Nicolas empfangen, welcher ebenfalls die Winzerlehre absolviert hat und nun tatkräftig im eigenen Betrieb mithilft. Nach der Begrüssung schenkte uns Nicolas einen klassischen Müller-Thurgau ein und der erste Hunger konnte mit den bereitstehenden Sandwiches gestillt werden. Bald verlagerte sich das Geschehen in den kühleren Weinkeller, wo uns ein Solaris gereicht wurde. Das Weingut Forster war seinerzeit der zweite Betrieb in der Region, welcher diese Sorte anbaute. Trotz 110 Oechslegrad bei der Ernte präsentierte sich der Wein trocken und die 13,9 Volumenprozente waren schön eingebunden. Es folgten drei Rotweine. Der Dion ist eine Assemblage mit Garanoir und verkauft sich dank der dunklen Farbe gut in der Gastronomie. Der Pinot 22 wird im Kastanienholz ausgebaut und überzeugt mit einem weichen Antrunk und einer feinen Note von Vermicelles. Für den Fortissimo werden nur die schönsten Pinot-Trauben verwendet. Die Trauben werden angetrocknet und der Ausbau erfolgt in Eichen- und Kastanienfässern. Zum Abschluss wurde die Spezialität des Hauses eingeschenkt. Aus Garanoir-Trauben wird der portwein-ähnliche «Ante Portas» hergestellt, der sechs Jahre im Fass gelagert wird. Die Abfüllung von 2018 überzeugt durch eine angenehme Süsse.
Auf Schusters Rappen
Nach diesem gelungenen Einstieg machten sich die Weinfreunde auf, den Weinweg näher kennenzulernen. Die Gesamtdistanz beträgt neun Kilometer und führt an den verschiedenen Weingütern vorbei. An den vorhandenen Weintresoren kann sich der weinafine Wanderer stärken. Angesichts der steigenden Temperaturen waren die Weinfreunde froh, legten wir nur ein kürzeres Teilstück zurück. Im Dorf Ottoberg wurden wir im Restaurant Haldenhof erwartet und konnten uns im Schatten des Gebäudes gemütlich niederlassen. Zu Forellen-Chnusperli und Salat wurden die Weine aus eigenem Anbau getrunken. Ein Glas Schaumwein, ein Blanc de Noir und ein Blauburgunder begleiteten unser Mittagsmahl.
Markus Held Weinbau
Nach einem kurzen Spaziergang durch das schmucke Ottoberg wurden wir von Markus Held in den Rebbergen empfangen. Seit 1996 bewirtschaftet er, neben weiteren landwirtschaftlich Flächen, den rund einen Hektar grossen Rebberg in dritter Generation. Er ist überzeugt vom biologischen Rebbau und seit 1. Januar 2023 ist der ganze Betrieb auf Bio Suisse umgestellt.
Beim Gang durch den Rebberg konnte uns Markus viel Interessantes zum biologischen Rebbau erzählen. Anhand des vorhandenen Pflanzenmaterials und dem sehr unterschiedlichen Traubenbewuchs in den verschiedenen Parzellen konnte er seine Aussagen praktisch darstellen. In seinem Weingut angekommen, kredenzte er uns seinen Rosé-Schaumwein aus Pinot Noir-Trauben und nun konnten sich alle Weinfreunde als Helden fühlen. Je nach Vorliebe kommt der Winzersekt als Held oder als Heldin etikettiert auf den Tisch. Die Idee für diesen Wein hatte Markus als während der Corona-Pandemie viele jugendliche Stadtbewohner auf dem Weinweg wandelten und immer nach etwas Spritzigem verlangten. So entstand dieses erfrischende Produkt in poppiger Aufmachung.
Weiter wurden ein Blanc de Noir und ein Souvignier Gris degustiert. Letzter wird mit denselben Hefen wie für den Sauvignon Blanc ausgebaut und überzeugt mit seiner frischen Säure und fruchtigen Noten. Der Pinot Noir Spätlese reift im 1000-Liter Eichenfass aus Schweizer Produktion. Aus den besten Lagen wird ein Merlot geerntet und nach dem Barrique-Ausbau entsteht ein feingliedriger und eleganter Rotwein. Zum Abschluss probierten wir den Pinot Noir Barrique Sélection, welcher nur in Spitzenjahren entsteht. Mit diesem schönen Wein endete der diesjährige Ausflug.
Michael Rück