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Association Nationale des Amis du Vin

(ANAV)

 

Viele neue Eindrücke nimmt die Freiämter Reisegruppe aus dem Priorat mit nach Hause.

Reise Priorat

Lidwina Weh und Dieter Brodbeck haben für die Freiämter Weinfreundinnen und -freunde eine spannende Reise ins Priorat vorbereitet, die in zwei Gruppen durchgeführt wurde.

Das Priorat, eine kleine, zerklüftete Weinregion in Katalonien liegt westlich von Barcelona. Steile Hänge, tiefe Täler, karge Schieferböden und alte Rebstöcke prägen die Landschaft. Hier wachsen vor allem Garnacha und Cariñena, zwei Rebsorten, die unter schwierigen Bedingungen Weine mit Kraft, Charakter und grossem Reifepotenzial hervorbringen. Heute gehört das Priorat zu den renommiertesten Weinregionen Spaniens dank den visionären Winzern mit René Barbier, Álvaro Palacios, Daphne Glorian, José Luis Pérez und Carles Pastrana. Sie erkannten das enorme Potenzial der alten Reben und der kargen Llicorella-Schieferböden.

Prickelnder Start mit Cava
Bei Segura Viudas, einem Weingut, das auf eine Tradition bis ins elfte Jahrhundert zurückblickt fand die erste Degustation statt. Die Cava werden nach der klassischen Flaschengärmethode hergestellt und reifen teilweise mehrere Jahre auf der Hefe. Eine Führung zeigte viel über Produktion und Tradition, bevor es bei einer Degustation mit kleinen Snacks ans praktische Kennenlernen ging.

Schiefer und grosse Namen
Ein grosser Name im spanischen Weinbau ist die Familie Torres. Die meisten Weinfreunde kennen das faszinierende Weingut von Miguel Torres bereits. Torres ist im Priorat stark engagiert. Bereits Anfang der 1990er-Jahre begann die Familie hier Rebflächen zu erwerben. Heute bewirtschaftet sie rund fünfundsiebzig Hektar und gehört damit zu den grösseren Weinbergsbesitzern der Region.
In El Lloar gibt es Informationen über das Priorat-Terroir und die Arbeit der Kellerei. Steile Rebberge und die typischen Llicorella-Schieferböden bestimmen das Bild. Weine wie Salmos oder Perpetual versuchen genau diesen besonderen Charakter ins Glas zu bringen. Wein degustieren macht hungrig und zum Glück wartet auf dem Weingut bereits das Mittagessen.
Am Nachmittag folgt mit Cellers Can Blau ein weiterer spannender Weinbesuch. Das Weingut gehört zur Juan-Gil-Gruppe und liegt in der benachbarten Weinregion Montsant. Schiefer, Kalkstein und Sand treffen hier aufeinander. Die typische Cuvée aus Cariñena, Garnacha und Syrah zeigt, wie unterschiedlich die Böden und damit auch die Weine der beiden benachbarten Regionen sein können. Die Weine von Can Blau und Juan Gil begleiten das Abendessen im Restaurant Amicsa.
Porrera die nächste Station ist mitten im Herz des Priorats. Der erste Besuch ist bei Merum Priorati. Der Name steht für rein oder echt und passt gut zur Philosophie des Weinguts. Ziel ist es, den Charakter der Böden und insbesondere des Schiefers möglichst unverfälscht in den Wein zu bringen.
Die Weine tragen klangvolle Namen wie Inici – der Beginn, Destí – das Schicksal und El Cel – der Himmel. Hinter diesen Namen stehen charaktervolle Cuvées mit viel Kraft und Komplexität. Die kühlen Nachtwinde vom Montsant-Gebirge helfen dabei, trotz der intensiven Sonneneinstrahlung Frische und Eleganz in die Weine zu bringen.

Wiedersehen mit Marta Rovira
Ein besonderer Besuch gilt Mas d’en Gil, bestens bekannt vom Online-Tasting 2021. Marta Rovira erzählte damals eindrücklich aus ihrer Wohnstube über den Betrieb und den biodynamischen Weinbau. Nun besteht endlich die Gelegenheit, diese engagierte Winzerin persönlich kennenzulernen.
Mas d’en Gil wurde bereits 1867 gegründet. Martas Vater Pere Rovira übernahm das Weingut 1998 und erfüllte sich damit einen Lebenstraum. Marta selbst kam 2008 nach einer Tätigkeit in der Luftfahrtbranche zurück auf den elterlichen Betrieb. Unter ihrer Mitwirkung wurde auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt. Fünfundreissig Hektar Rebfläche, aufgeteilt auf dreiundfünfzig einzelne Parzellen, zeigen eindrücklich, wie kleinräumig das Priorat aufgebaut ist. Garnacha und Cariñena stehen im Mittelpunkt. Dazu kommen die unterschiedlichen Böden aus Llicorella-Schiefer, Kalkstein und Mergel. Dem Empfang im Weinberg auf Strohballen folgt die Degustation im historischen Weingut und wird abends fortgeführt beim Nachtessen im Restaurant Brichs.
Cellers de Scala Dei ist das älteste Weingut der Region. Hier trifft jahrhundertealte Weintradition auf moderne Önologie. Die Weine reifen in einem Keller aus dem siebzehnten. Jahrhundert, in dem einst die Verwalter des Kartäuserklosters lebten. Schon beim Betreten der alten Kelleranlagen wird deutlich: Hier ist Wein nicht einfach ein Produkt. Er gehört hier zur Geschichte der Region. 1878 wurde der erste Priorat-Wein in Flaschen abgefüllt, um an der Weltausstellung in Paris präsentiert zu werden.

Kartäusermönche prägten den Weinbau
Der nächste Besuch gilt der Cartoixa de Santa Maria d’Escaladei, dem ehemaligen Kartäuserkloster aus dem zwölften Jahrhundert. Hier liegen die Wurzeln des Namens Priorat. Die Mönche kultivierten bereits im Mittelalter Wein und prägten damit die Entwicklung der ganzen Region. Zwischen den Ruinen, den rekonstruierten Kreuzgängen und den umliegenden Rebbergen lässt sich die Verbindung von Geschichte und Weinbau besonders gut nachvollziehen. Ein Stück Mittelalter mitten im Weinland.
Das Familienweingut Marco Abella in Porrera ist der nächste Halt. Die Wurzeln der Familie im Weinbau reichen bis ins fünfzehnte. Jahrhundert zurück. Die moderne Kellerei wurde 2001 gegründet und verbindet Tradition mit ökologischer und teilweise biodynamischer Bewirtschaftung. Besonders beeindruckend ist die Bodega selbst. Sie wurde teilweise unterirdisch in den Berg gebaut. Die natürliche Temperatur im Innern ist ideal für die Reifung der Weine. Garnacha und Cariñena stehen auch hier im Mittelpunkt.
Am letzten Abend werden zum Apéritif mit verschiedenen Tapas eine Reihe von unterschiedlichen Cavas von Pere Ventura probiert, die aus dem Haus Merum Priorati stammen.

Barcelona zum Abschluss
Barcelona bietet einen ganz anderen Blick auf Katalonien. Der Ausblick über die Stadt von der historischen Seilbahn Teleférico del Puerto, vom Hafen auf den Hausberg der Stadt, den Montjuïc ist grossartig. Das Miró-Museum ist ein kultureller Höhepunkt auf dem Programm.
Die Reise hat gezeigt, dass grosse Weine nicht im Keller entstehen. Sie sind das Ergebnis eines Zusammenspiels von Boden, Klima, alten Reben und Menschen, die ihre Region kennen und lieben.
Die typischen Llicorella-Schieferböden, die steilen Rebberge, die alten Garnacha- und Cariñena-Reben und die vielen kleinen Parzellen prägen die Weine. Noch wichtiger aber sind die Menschen dahinter. Bei unseren Besuchen lernten wir Winzer und Weinmacher kennen, die mit grosser Leidenschaft und viel Fachwissen ihre Weine produzieren. So bleibt am Ende vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieser Reise: Das Priorat ist zwar klein, aber was diese Region an Wein, Geschichte und Charakter zu bieten hat, ist riesengross.

Marcel Kopp

Marta Rovira erklärt in deutscher Sprache, wo alle ihre Rebberge verstreut sind. Deutsch hat sie während ihrer Tätigkeit als Ingenieurin in München gelernt (unten).

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