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Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

Die Gebrüder Fritz (links) und Samuel Sahli beim Erfassen der Daten der zur Degustation bereitstehenden Weine.

Wein-Rundschau im Südwesten-Frankreichs

Das grösste Weinbaugebiet in Frankreich ist das Languedoc Roussillon, das die Berner Weinfreunde teils schon bereist haben. Westlich davon liegt die Region Sud-Ouest, wo Rebsorten wachsen, die anderswo nicht vorkommen.

Von den 14 massgebenden Wein-Regionen Frankreichs ist «Sud-Ouest» bezüglich der Fläche nur die Nummer neun und damit etwas kleiner als das Burgund auf Platz sechs, aber wesentlich grösser als zum Beispiel das Elsass auf Rang elf.

Der als Apéro kredenzte Weisswein ‘La Part Davant’ 2023 aus dem Juraçon vom Weingut Larredya verdient es, besonders erwähnt zu werden. Der geschmackvolle Weisse aus Gros- sowie Petit Manseng und Petit Courbu, eine alte, fast ausgestorbene lokale Sorte, passte perfekt zur Eröffnung des Abends und überraschte mit einem kräftigen und doch dezent süssen Finale. So schaute man der Verkostung der meist nicht alltäglichen Provenienzen von Anfang an mit grosser Spannung entgegen. Während des lehrreichen Abends profitierten die Weinfreundinnen und -freunde vom grossen Wissen von Sommelier und Weinakademiker Markus Utiger, der mit seinen treffenden Kommentaren für willkommene fachliche Unterhaltung sorgte.

Die erste Serie von Weissweinen umfasste drei typische, lokale Sorten: Einen Bouyssselet 2021 mit 13.5 Volumenprozent Alkohol von der Domaine Plaisence in Penavyre, der ungewohnt trüb war und nicht wirklich nach Weisswein schmeckte. Weiter wurde ein Côté 2024 aus Chardonnay und Sauvignon Blanc mit bloss elf Volumenprozent Alkohol von der Domaine Du Tariquet an der Côtes de Gascogne präsentiert, der nicht sehr kräftig wirkte, aber trinkig war. Der dritte Wein, ein Montus blanc 2020 aus Petit Courbu mit 14 Volumenprozent Alkohol vom Château Montus in der Region Madiran, kam dem Apéro-Wein sehr nahe. Der Chef von Château Montus, Alain Brumont, gilt als Erneuerer und prägender Winzer der Region. Dazu wird er oft sogar als ‘König des Madiran’ gelobt. Kein Wunder kommen seine anerkannten Spitzengewächse meist auch zu königlichen Preisen auf dem Markt.

Kraftprotze bei den Rotweinen
Die Rotweine, die im Hotel Bern serviert wurden, zeigten mancher Weinfreundin und manchem Weinfreund auf, dass es kaum möglich ist, alles zu wissen, was Frankreichs vielseitige Weinwelt zu bieten hat. Selbst mehr als die wesentlichsten Rebsorten des Landes zu kennen, scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Aber immerhin: Versuchen tun es die Weinfreundinnen und -freunde allemal. Vielleicht auch mal mit dem Studium eines Wein-Buches.

Zuerst kam ein Fronton ‘Alabets’ 2019 aus der Sorte Negrette auf den Tisch. Dieser Wein der Domaine Plaisence in Penavayre überzeugte mit feinen und kräftigen Fruchtnoten, aber auch mit prächtigen Farbnuancen. Der zweite Negrette ‘Tot Cò Sue Cal’ der gleichen Domaine und des gleichen Jahrgangs zeigte ein dunkles Rot, viel Kraft, war aber etwas zu tanninreich und der Alkohol überdeckte weitgehend die Eleganz des Weines. Übrigens: Die kleine Region Fronton befindet sich etwa 30 Kilometer nördlich von Toulouse.

Zum Schluss wurden schöne Provenienzen von Cahors sowie von Madiran und dem Jurançon verkostet.

Der erste Cahors-Wein war ein Malbec, ‘Heritage’ 2019, vom Château du Cèdre. Der zweite Wein dieser Serie war ebenfalls ein Malbec vom gleichen Château, allerdings vom Jahrgang 2022. Er präsentierte sich in herrlichem Rot und die feinen Tannine trugen dazu bei, dass er als einer der schönsten Rotweine des Abends in Erinnerung bleibt.

Auch der ‘Rive droite’ 2020, ein Merlot mit Cabernet Franc von Valerie Courrège erwies sich als Klassewein. Schliessling ging es zurück ins Madiran zu Alain Brumont. Sein AOC-Tannat mit Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc aus dem Jahr 2020 wurde ebenfalls gelobt, zeigte aber einen hohen Gerbstoff-Anteil. Als Spitzen-Gewächs gilt der ‘Prestige’ 2012, ebenfalls Tannat plus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc. Der mit Jahrgang 2012 längst voll ausgereifte Wein fand grossen Zuspruch.

Bei allem Ruhm für die meist etwas wuchtigen Rotweine darf nicht vergessen werden, dass es auch im Jurançon weisse Dessert-Tropfen gibt: Der Jurançon Moelleux ‘Les Grains des Copains’ 2023 der Domaine Camin Larredya aus Petit und Gros Manseng wurde jedenfalls nicht nur von den Damen als feiner Abschluss des gelungenen Degustationsabends begrüsst und verkostet.

Fritz Sahli