Südtiroler Lagrein dunkel
Der Ein-Sorten-Abend war alles andere als langweilig. Madeleine Dirren gilt als Kennerin der Sorte Lagrein. Sie hat das Thema Lagrein im Rahmen eines Meisterkurses schon vor Jahren bei den Solothurner Weinfreunden präsentiert.
Lagrein gibt es fast nur im Südtirol/ Alto Adige. Sie bringt kräftige Provenienzen hervor, wie man sie sonst nur aus andern Gebieten Italiens kennt. Früher kam meist nur der Lagrein Kretzer als günstiger Rosé-Wein als Import in die Schweiz. Heute ist der Lagrein zum Star geworden.
Die Lagreintraube kennt man gemäss der Südtiroler Weinorganisation seit 1318 und nennt stolz, dass die Sorte fast ausschliesslich dort angebaut wird. Es handelt sich dabei um eine natürliche Kreuzung von Vernatsch und Teroldego (Trentiner-Rebe). Die Vernatsch-Rebe oder Schiava Gentile kennt man in Deutschland ebenfalls unter dem Namen Trollinger. In der Schweiz konnte sich die Sorte bisher nicht etablieren.
Der Lago di Caldaro gilt als wärmster Bergsee des Landes und ist ebenfalls rundum von Reben vieler Sorten umgeben. Sie wachsen buchstäblich vom See bis in die Hänge unterhalb der Berge hinauf. Für die bekannte Kalterersee-Auslese gibt es heute Qualitätsbestimmungen, die den ehemaligen Vernatsch-Massenwein zu einem angenehmen Trinkwein machen.
Starweine von der kräftigen Sorte
Dreizehn Weine aus der Rebsorte Lagrein wurden degustiert. Zum Apéro gab es den feinperligen Lagrein Rosé Sekt Tirolensis aus Mölten/Meltina. Der erste Lagrein, ein hellfarbiger Kretzer 2022 aus Bozen, überzeugte und wurde gern genossen. Ein leicht süsser Castelfeder Rosato 2023 aus Kurtinig/Cortina folgte darauf. Als nächsten gab es einen Lagrein Rosé 2023, IGT Mitterberg/Monte di Mezzo vom Pfannenstielhof, ein nicht sehr ausgeprägter Lagrein, aber ein Wein, den man sich gerne zu Gemüte führte. Der Lagrein Kretzer Spätlese 2023 vom Erbhof Unterganzner in Bozen geht schon stark Richtung Rotwein. Der DOC-Lagrein 2022 der Kellerei Bozen mit Barrique-Anteil und schwarz-Roter Farbe bekam gute Noten. Auf ihn folgte ein Lagrein Rieder, Castelfeder 2022 aus Cortina, der nicht besonders auffiel. Der Lagrein der Kellerei Muri-Gries/Bozen bekam die Note sehr gut. Dabei ist aufgefallen, dass einige Lagrein wohl viel Alkohol zeigen, was aber auf Kosten von Feinheiten und Eleganz geht. Das trifft auch für den hochprozentigen Lagrein Graf der Kellerei Burggräfler Meran, in Marling/Marlengo zu. Der Bozener Lagrein Waldgries 2021 wurde eingeschenkt, eine Provenienz eines der ältesten Weingüter des Südtirols. Anschliessend durften die eifrigsten Degustatorinnen und Degustatoren die letzten Südtiroler Kraftprotze probieren: Dazu zählten der Rottensteiner Riserva 2021 aus der Region Bozen und der bäumige Lareith Riserva 2021 der Kellerei Kaltern. Der Riserva Barbagöl 2020 des Landesweinguts Laimberg gab es als krönenden Abschluss. Der Wein stammt aus der Region Pfatten/Padena im Etschtal einige Kilometer unterhalb von Bozen.
Der letzte Lagrein wurde von der Kellerei mit Barbagöl benannt. In den Ausführungen, die den Teilnehmenden abgegeben wurden, stand, dass diese Benennung Hexenmeister bedeutet und ein Ladinischer Name aus der Dolomiten-Sagenwelt ist. Zum Abschluss des weinseligen Abends mit kräftigen Spitzenweinen gabs traditionsgemäss einen Imbiss. Diesmal wars eine Suppe, ähnlich wie Suppe mit Spatz.
Fritz Sahli