Wein- und Kultur draussen im Atlantik
Madeira ist nicht nur für seine pittoresken Landschaften und als Blumeninsel bekannt, sondern auch für seine Weintradition mit Madeiraweinen. Dies ist der richtige Ort für eine sechstägige Wein- und Kultureise der Freiämter Weinfreunde.
Die Madeiraweine sind für ihre Langlebigkeit bekannt. Es gibt auf der Insel noch Weine, die bis 1795, also das Zeitalter von Napoleon zurückgehen und immer noch ein ausgezeichnetes Trinkvergnügen bieten. Mit diesem Hintergrundwissen machen sich die Freiämter Weinfreude im Herbst auf den Weg, diese ausserordentliche Insel im Atlantik weintechnisch und kulturell zu entdecken. Mit einem Welcome-Apéro in der Roof Top Bar des Hotels Barceló Old-Town werden die Freiämter in Funchal begrüsst. Die wunderbare Abendstimmung mit Aussicht auf die Altstadt von Funchal und den Atlantik ist eine grossartige Einstimmung.
Reise in die technische Vergangenheit
Der zweite Tag auf Madeira startet mit dem Besuch des östlichsten Punktes der Insel bei den Klippen Miradouro da Ponta do Rosto. Im idyllischen Hafenort Porto da Cruz gilt der Besuch der letzten mit Dampfbetrieb arbeitenden Rum-Destillerie Engenhos do Norte. Es ist eine Reise in die technische Vergangenheit in die Zeit der industriellen Revolution, stammen doch die Maschinen von 1927. Neun erlesene Rumprodukte durften probiert werden. Dabei gab es viel über das Thema Rum zu erfahren.
Am Folgetag geht es dann Richtung Süden nach Câmara de Lobos eines der sehenswertesten Fischerdörfer der Insel. Ihre Einwohner sind sehr kreativ und lieben Farben. Sie verwenden auch Kunststoffabfall wie Pet-Flaschen oder alte Aluminium-Büchsen für die aufwendigen Dekorationen ihrer Häuser und Gassen. Genug der Farben, jetzt steht Madeirawein auf dem Programm. Bei Henriques & Henriques wird ausführlich die Welt des Madeira und seiner Produktion erläutert. Grandios, wie viel Handwerk und Können hier eingesetzt werden. Beim anschliessenden Mittagessen gibt es Spezialitäten von Madeira zu kosten. Eine weitere Madeira Weindegustation bei Barbeito folgt am Nachmittag. Auch hier ist alles sehr professionell.
Schwindelfreiheit erforderlich
Ein Besuch der höchsten Klippe Europas in Cabo Girão mit einer Höhe von fünfhundertachtzig Metern über Meer mit seiner berühmten, schwebenden Glasplattform ist ein Muss. Der Skywalk beeindruckt und nicht jeder will darauf stehen. Der Ausblick sechshundert Meter in die Tiefe durch den Glasboden ist atemberaubend. Neben Wein produziert Madeira auch Bananen. Leider werden diese nur bis Portugal exportiert.
Die Königsetappe besteht aus Weingutbesichtigung, Urwald, Vulkanformation und Hochplateau. Über den Encumeada-Pass kann viel über die Topologie der Insel und die Levadas erfahren werden. Levadas sind die künstlichen Wasserläufe, die in Madeira im achtzehnten Jahrhundert erbaut wurden, um Wasser aus den niederschlagsreicheren Gebieten im Norden zu den landwirtschaftlichen Anbauflächen im Süden zu leiten. Ein Spaziergang durch den Lorbeerurwald (Laurisilva da Madeira) folgt. Der Lorbeerurwald ist ein Feuchturwald mit hoher Niederschlagsmenge und fünfundachtzig Prozent Luftfeuchtigkeit. Alles ist sehr grün und ungemein üppig, wie in den Tropen. Aufgrund des Wetters ziehen leichte Nebelschwaden durch das Unterholz, mythisch und gespenstisch ist die Atmosphäre.
In Sao Vicente an der Nordküste gibt es einen kurzen Halt mit Besuch der Porto Abrigo, einer kleine alte Fischertaverne von 1924 direkt am Meer. Madeira trinkend fühlt man sich bei diesem Ambiente um hundert Jahre zurückversetzt und wartet darauf, dass der Pirat Henry Morgan gleich durch die Türe kommt!
Unsterbliche Weine
Der Besuch des Mercado dos Lavradores ist für jeden Frucht- und Fischliebhaber ein Highlight. Die Degustation bei Pereira d’Oliveira, einem des besten und bekanntesten Madeira-Weinproduzenten der Insel folgt als nächstes. Der Patron des Hauses, Herr Luis D’Oliveira empfängt uns persönlich. Ein ultimativer Gentleman der alten Schule, dessen Arbeit und Weine Kultstatus in der Madeirawelt haben. Eine halbe Stunde später sind alle noch benommen, nicht vom Alkohol, sondern von dem, was verkostet werden durfte. Madeiras, mit ältesten Jahrgängen, wie von 1990, 1977, 1968, 1932, 1929 oder gar 1910. Das ist der Beweis: Madeiraweine haben eine unglaubliche Langlebigkeit und sind beinahe unsterblich.
Das Restaurant Do Forte befindet sich in einer alten Festungsanlage aus dem siebzehnten Jahrhundert und ist die Topadresse in Funchal. Ein opulentes viergängiges Menü zeigt, dass Wein und Essen zusammengehören. Präsident Markus Küng fasst die Reise kurz zusammen und hält fest, dass die gesetzten Ziele erreicht wurden. Es waren dies: Lokale Weine und Spezialitäten kennenlernen und Wissenswertes über Kultur und Landschaft der Insel erfahren.
Es bleiben grossartige Erinnerungen und Erlebnisse. Die Reise zeigte eine Insel mit ihrer ganzen Vielfalt und ihrem Reichtum, nicht nur an Wein, sondern auch an Geschichte, Kultur und Gastfreundschaft. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kehren mit vielen neuen Eindrücken und einem erweiterten Verständnis für die Wein- und Esskultur auf Madeira nach Hause zurück.
Marcel Kopp