Wine and Dine
Einheimische Weine mit traditionellen und neuen Rebsorten standen beim Wine and Dine im Landgasthof Krone im Fokus. Weinakademiker Markus Fuchs überzeugte mit hoher Fachkompetenz und feiner Sprache die Fricktaler Weinfreundinnen und Weinfreunde.
Die klassischen, einheimischen Weine kennen die Weinfreunde. Riesling-Sylvaner, Pinot Noir, Merlot und Chardonnay sind zwischenzeitlich im Fricktal heimisch geworden. Aber wer trinkt regelmässig einen Johanniter, Cabernet Blanc, Divico oder einen Cal? Alles pilzwiderstandsfähige Sorten, sogenannte Piwi, die sich in den letzten Jahren etabliert haben. Markus Fuchs, Vorstandsmitglied des Branchenverbands Aargauer Wein, mit zahlreichen Aus- und Weiterbildungen im Weinsektor sowie langjähriger Erfahrung in Kommunikation und Weinmarketing, führte kompetent und gewandt durch diesen Abend. Zum Apéro ein Sisecco Rosalie, ein Pinot Noir Rosé von Imhof Wein- und Obstbau in Sissach. Im Glas lachsfarben, vermochte er im Gaumen mit Temperament und Fruchtigkeit zu überzeugen. Zu Tisch wurden die ersten beiden Weine eingeschenkt. Ein Johanniter Elise 2023 von Fürst Weinbau in Hornussen sowie ein Chardonnay 2023 von Fehr und Engeli in Ueken. Der Johanniter ist eine ältere und bereits bewährte Piwi-Sorte. Einer der Kreuzungspartner ist der Riesling. «Die Sorte überzeugt mit schöner Aromatik. Sie ist mineralisch und erfrischend», meinte der Referent. Der Chardonnay von Fehr und Engeli, im Stahltank ausgebaut, zeigte sich mit feiner Frucht, schlankem Körper und langem Abgang.
Ein Fricktaler Naturbursch
Zum Nüsslisalat mit Broccoli und Regio Käse folgten zwei aromatische Weine. Der Naturbursch 2024, ein Cabernet Blanc vom Weinbaubetrieb Gerhard und Andrea Wunderlin in Zeiningen, und ein Sauvignon Blanc 2024 der Wiler Trotte. Der Naturbursch ist ein Orange Wein, ein Wein aus weissen Trauben, der wie ein Rotwein gekeltert wird. Die alkoholische Gärung erfolgte während fünf Wochen auf der Maische. Dadurch erhält der Wein mehr Tannine als ein klassischer Weisswein. Es ist ein kräftiger Wein mit Aromen nach Quitte, Honig und neuen Geschmackserlebnissen, der gut zum Essen passte. Die Traubensorte Sauvignon Blanc hatte in den vergangenen 15 Jahren das grösste Wachstum weltweit. Ursprünglich war sie an der Loire beheimatet und hat in den 70er-Jahren Neuseeland erobert. Auch im Aargau erfreut sich die Sorte wachsender Beliebtheit. «Der Aargau liegt denn auch zwischen Neuseeland und der Loire», meinte Markus Fuchs, «wenn auch etwas näher bei der Loire». Sauvignon Blanc ergeben aromatische Weine mit viel Frucht. So war auch der Wein der Wiler Trotte, der mit exotischen Fruchtaromen und fülligem Körper überzeugte.
Pinot Noir und Divico
Vor dem Hauptgang folgten die ersten beiden Rotweine: ein Pinot Noir Réserve 2020 vom Weingut Heuberger in Bözen und ein Divico 2024 von Rahel und Daniel Buchmann in Wittnau. Der Pinot Noir ist 18 Monate in gebrauchten Fässern gereift. Dieser Wein verfügte über eine grosse Aromenvielfalt. «Die Primäraromen, rote Beeren und Kirschen, sind noch spürbar, zeigen durch die Reife aber bereits Tertiäraromen wie der Geruch nach Pilzen und Waldboden» erklärte Markus Fuchs. Der Divico ist eine pilzwiderstandsfähige Schweizer Kreuzung aus den Sorten Gamaret und Bronner. «Warum schmecken PIWI-Weine gerade den etwas älteren Weinliebhabern nicht auf Anhieb», fragte der Referent in die Runde. «Weil unser Gaumen auf die uns bekannten Aromen und Geschmäcker konditioniert ist», war seine Antwort. Der Divico ist ein eigenständiger und unkonventioneller Wein mit einem kräftigen, dunklen Rot, vollem Körper und würziger Aromatik.
Piwi-Sorten würden immer beliebter, meinte der Referent. Sie benötigen weniger Pflanzenschutz als die traditionellen Sorten. Damit können die Fahrten im Rebberg und die Bodenverdichtung reduziert werden. Das wiederum senkt die Kosten und den Aufwand für die Winzerinnen und Winzer. «Die Vorteile der Piwi-Weine, die vor allem bei den Rotweinen im Geschmack von den traditionellen Sorten abweichen, müssen den Kundinnen und Kunden aber erklärt werden» sagte Markus Fuchs. «Dem können die Winzerinnen und Winzer im Aargau und vor allem auch im Fricktal, wo bis zu 90 Prozent der Weine ab Hof an Privatkunden verkauft werden, gut nachkommen».
Merlot und Violet
Der Hauptgang aus der Kronen-Küche wurde von einem Cal, einem Piwi-Wein aus drei verschiedenen Klonen 1-14, 1-28 und 1-36, und einem klassischen Merlot begleitet. Der Cal 2022 mit dem Namen Violet von Reto und Yvonne Pfister in Bözen ist ein gehaltvoller und kräftiger Rotwein mit einem intensiven dunklen Rotviolett mit viel Fruchtaromen und einem vollen Körper, mundfüllend und mit einer leichten Süsse. Das rührt daher, dass ein Teil der Trauben zu Strohwein verarbeitet und dem Grundwein, der 15 Monate im Barrique reift, beigegeben wurde. Der Merlot 2023 Barrique von Peter und Sibylle Büchli in Effingen gefällt ebenfalls. «Ein runder Wein mit gut eingebundenen Holznoten, feinen Tanninen und moderater Säure, kräftig und doch mit einem schönen Trinkfluss», wird er vom Referenten beschrieben.
Zum Dessert, einem lauwarmen Schoggi-Chüechli mit Himbeerglacé, wird das Glas mit ‘Sonnengold’ gefüllt. Es ist ein gehaltvoller Süsswein aus Riesling-Sylvaner Trauben der Weinstation Mettau und zugleich der goldige Abschluss eines interessanten und feinen Wine and Dine. Der Dank geht an die Kronen-Küche, den Organisator Peter Büchli und vor allem an Markus Fuchs. In verständlicher Sprache und mit einem immensen Weinwissen vermochte er die Fricktaler Weinfreundinnen und Weinfreunde zu begeistern.
Urs Treier