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Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

Wine & Dine zum Thema Weinregion Bordeaux

Die Weinfreunde Fricktal lernten auf ihrer kulinarischen Reise viel Wissenswertes kennen: Historisches, Geografisches, aber auch ein detaillierter Überblick zu den einzelnen Weinanbaugebieten des Bordelais, vom linken Ufer des Médoc, übers Entre-deux-Mers bis zum rechten Ufer, dem Libournais, zusammengetragen in einer praktischen Broschüre. Urs Treier und Ralph Schneiter führten durch den Abend.

Gestreift wurden auch wichtige Themen, wie die Besonderheiten der verschiedensten Bodentypen, der wichtige Einfluss des vom Atlantik geprägten Klimas, sowie der Einfluss aus all diesen Faktoren auf den Rebsortenspiegel. Das Bordelais kämpft mit grossen Problemen wie Wetterkapriolen, massiven Einbrüchen in den Subskriptions- und Verkaufszahlen. Aber auch wegen zu euphorisch gehypten Durchschnittsjahrgängen seitens des Handels und wegen sich zunehmend veränderndem Einkaufs- und Konsumverhalten der Bordeaux Weintrinkenden. Es besteht eine riesige Kluft zwischen den Top hundert Châteaux und dem grossen Rest, die sich im steten Überlebenskampf befinden. Viele Herausforderungen werden in naher Zukunft aufkommen, um ehrliche und bezahlbare Weine mit Herkunft und Charakter zu produzieren.

Zum Apero und Einstieg in den Abend wurden getoastete Brotscheiben mit Kräuter-Frischkäse oder Rillette gereicht. Dazu im Glas der frisch-fruchtige Malesan, ein Crémant de Bordeaux mit traditioneller Flaschengärung, eine aussergewöhnliche Assemblage aus Cabernet Franc und Sémillon-Trauben. Das Weingut gehört der Familie Castel, der Nummer eins im Weinhandel in Europa.

Zehn verschiedene Weine zum Menue
Die Kürbiscrème-Suppe mit gefülltem Windbeutel wurde begleitet von einem im Stahltank ausgebauten sortentypischen Sauvignon blanc aus dem Entre-deux-Mer, vom Château Bauduc von 2024. Der zweite Wein war ein Grand vin sec von Château Lafaurie-Peyraguey von 2022 aus dem Sauternesgebiet. Dieser ist ein Verschnitt von gut zwei Dritteln Sauvignon blanc und einem Drittel Sémillon. Er wurde fünf Monate in teils neuen, teils gebrauchten Barriques ausgebaut. Das Sauternes-Weingut gehört dem Schweizer Unternehmer Silvio Denz. Seit der Übernahme im Jahr 2014 werden auch zwei trockene Weissweine produziert.

Zum Saucisse auf Lauchbett, Vegi-Variante mit Ofengemüse wurden zwei Rotweine vom rechten Ufer miteinander verglichen. Beide sind von 2016 und haben den fast identischem Rebsortenspiegel von achtzig Prozent Merlot und zwanzig Prozent Cabernet Franc und den vergleichbarem Holzeinsatz. Der erste vom biodynamisch bewirtschafteten Weingut Fonroque aus dem St.Emilion, und im Vergleich dazu ein Château La Pointe aus dem Pomerol.

Die beiden nächsten Rotweine gab es zur Käsequiche im Zwischengang. Der vielleicht etwas rustikalere, aber trotzdem tolle Château Camensac 2018 aus dem Haut-Médoc im Vergleich zum ebenso 5ième cru classé Château Grand Puy-Lacoste aus dem Pauillac, vom Jahrgang 2010, aus der Magnum-Flasche.

Zum Hauptgang wurde ein Roastbeef Bordelaise mit Rosmarinkartoffeln und Gemüse serviert. Die vegetarische Variante waren Gemüsetaler an Schalotten-Rotweinsauce. Begleitet im Glas von Château Maléscot St.Exupéry Margaux und Château Langoa-Barton St.Julien. Beide Weine sind von 2015, beide troisième cru classé klassifiziert. Der Rebsortenspiegel mit fünfzig Prozent Cabernet Sauvignon, vierzig Prozent Merlot und zehn Prozent Cabernet Franc und zwölf bis vierzehn Monate Ausbau in Barriques ist vergleichbar. Der Margaux ist stilistisch weicher, geschliffener, der St.Julien zeigt zusätzlich eine subtile Würzigkeit im Abgang

Der leckere Apfelkuchen mit Rahm bildete den süssen Menuabschluss. Dazu wurde ein Château Suduirat 2010, der auf einer Auktion ersteigert wurde, eingeschenkt. Der Jahrhundertjahrgang 2010 ist einer der raren Jahrgänge, bei welchem alle drei Weintypen im Bordelais, hervorragend gelungen sind. Eine Assemblage von vierfünftel Sémillon und einem Fünftel Sauvignon blanc. Die von der Edelfäule befallenen Trauben wurden in fünf Durchgängen geerntet, der vergorene Wein reifte zwei Jahre in zu fünfzig Prozent neuen Barriques.

Ralph Schneiter