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Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

Die Wiege der abendländischen Weinkultur

Die Generalversammlung mit anschliessendem Diner steht ganz im Zeichen von Köstlichkeiten aus Georgien. Lukas Beglinger und Barbara Kohler Beglinger stellen sich und ihre auf georgische Weine spezialisierte Firma ‘Best of Georgia & More’ vor. Nach langer Tätigkeit im Dienst der Schweizer Diplomatie sind sie seit 2018 als Weinbotschafter Georgiens tätig.

Die Präsidentin Esther Tschumi handelte die Traktanden speditiv ab. Der Vorstand und die Revisoren wurden in ihrem Amt bestätigt. Das vorgestellte Jahresprogramm 2026 mit den geplanten Anlässen fand Anklang.

Die Anwesenden waren sehr gespannt, welche georgischen Köstlichkeiten das anschliessende Wine&Dine zu bieten hat. Zum Einstieg wurde ein Tsinandali Brut von der Tsindandali Estate in Kachetien eingeschenkt. Dazu gab es ein Pkhali-Trio, kleine Bällchen aus püriertem Spinat, Randen und Auberginen mit Nüssen und Koriander und Khachapuri Mini, Käsebrot mit Sulguni Käse zu probieren.

Die beiden Referenten erzählten, was sie bewogen hat, sich der Weinregion Georgien zu widmen: Georgien blickt auf über achttausend Jahre Weinkultur zurück und darf sich gestützt auf archäologische Funde als Wiege des Weins betrachten. Das Land ist fast doppelt so gross wie die Schweiz, und seine Rebfläche beträgt rund das Vierfache der schweizerischen. Das Land verfügt über eine Vielzahl unterschiedlicher Mikroklimata, dementsprechend vielfältig sind seine Weine. Mit über 500 autochthonen Rebsorten übertrifft Georgien alle anderen weinproduzierenden Länder. Internationale Sorten werden dagegen kaum angebaut. Einzigartig ist zudem die jahrtausendealte Tradition der Vinifikation in Tongefässen, sogenannten Qvevri, die in Georgien bis heute kontinuierlich gepflegt wird und von der Unesco als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt worden ist. Diese ursprüngliche Art der Weinbereitung findet neuerdings auch in westlichen Ländern vermehrt Anklang, insbesondere die aus weissen Trauben hergestellten, maischevergorenen ‘orangen’ Weine. Georgien produziert aber überwiegend modern vinifizierte Weine, zumal es in über fünfzig Länder exportiert.

Schwer zu erinnernde Traubensorten
Zur Vorspeise, einer würzigen roten Bohnenpaste mit Maisbrot werden ein weisser reinsortiger Kisi 2022 von AB Wines in Kardenakhi und ein Natella 2022 von Tsinandali Estate in Kachetien probiert. Letzterer besteht aus den Rebsorten Mtsvane, Kisi, Khikhvi, Tsolikouri und Tertra. Der dritte Weisswein im Glas ist ein Tsitska-Tsolikouri von Royal Khvanchkara in Racha, der aus Tsitska und Tsolikouri assembliert wurde.
Natürlich darf einer der berühmten Orange Wine aus dem Qvevri nicht fehlen. Er stammt aus dem Haus Koncho & Co in Kvareli und besteht aus den Rebsorten Kisi und Rkatsiteli. Die Bezeichnung ist jedoch Amber und nicht Orange. Zwei Rotweine, ebenfalls von Koncho & Co begleiten die Chikhirtma, eine klassische Hühnersuppe mit Ei-Zitronenbindung. Beide Weine wurden aus Aleksandroulitrauben vinifiziert. Der Vergleich Stahltankausbau und Qvevri-Ausbau löst spannende Diskussionen aus.

Lamm georgisch zum Hauptgang
Chanakhi, die geschmorte Lammkeule mit Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Gewürzen verlangt nach kräftigeren Weinen. Auch hier kann der Vergleich von Stahltank und Qvevri gemacht werden. Der Saft der Rebsorte Saperavi wurde auf dem Weingut Koncho in Kachetien einmal im Stahltank und zusätzlich im Holzfass reifen gelassen und der zweite wurde traditionell sechs Monate auf der Maische im Qvevri gelassen.
Ein feines Dessert gehört auch in Georgien einfach dazu. Gebackene lauwarme Quitte mit Honig und Walnüssen serviert mit etwas Zimt und Vanilleeis wird begleitet von einem roten halbsüssen Dessertwein. Der Khvanchkara aus dem Haus Royal Khvanchkara Ambrolauri in Racha besteht aus Aleksandrouli und Mujuretuli.
Georgien als Wiege der Weinkultur bietet nebst den verschiedenen Weinen auch kulturell und kulinarisch vieles. Das Gebotene am Abend hat viele überrascht und auch begeistert. Eine Reise würde sich sicher lohnen.

Judith Baumann