Sprache auswählen

 

Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

Traditionell oder experimentierfreudig?

Bei der Frage ob weisse Klassiker oder doch Rotweine besser zum Raclette passen scheiden sich die Geister. Die Traditionalisten finden, dass nur ein Walliser Weisswein passt. Die Experimentierfreudigen stellen sich der Herausforderung einen passenden Rotwein zu finden, der weder das Raclette dominiert noch vom Käse ‘erschlagen’ wird.

Die Teilnehmenden an diesem speziellen Abend erwarten mit Spannung die Vorstellung der von Stefan Keller von der Weinhandlung Küferweg in Seon ausgewählten Weine. Alle Weine des heutigen Abends sind aus biologischem Anbau. Je ein Flight Weisswein und Rotwein begleiten den geschmolzenen Käse. Ein Räuschling Herrliberg macht den Auftakt und entpuppt sich als der Exot der Reihe. Kein Walliser, sondern ein Wein aus dem Haus Turmgut in Erlenbach am Zürichsee. Stefan Keller beschreibt den Räuschling als alte Sorte, die vor allem im Zürichseegebiet angepflanzt wurde und wird. Der Wein ist geschmacksarm, neutral. Bei kleiner Ernte jedoch kann er gut altern und ähnelt dem Chasselas aus dem Waadtland.
Im zweiten Glas befindet sich der Walliser Weisswein schlechthin. Der Fendant Coteaux de Plamont stammt von Marie-Thérèse Chappaz in Fully. Die Coteaux de Plamont sind eine sechshundertfünfig Meter hohe Lösslage auf Gneis. Ein Drittel der Reben wurde vor ein paar Jahren neu bepflanzt.
Der dritte Wein kommt vom Gestade des Genfersees. Der Noblesse de Chardonnay von der Domaine Henri Cruchon ist Demeter zertifiziert. Die Familie Cruchon hat grosse Erfahrung mit Chardonnay. Sie orientieren sich am Nachbar Burgund und bauen ihre Weine in Pièces, also kleinen Holzfässern aus.
Last but not least wird ein Heida eingeschenkt. Er kommt aus dem Keller der Familie Besse in Martigny-Croix. Die Savagnintrauben gedeihen an der Lage Champortay und der Wein wird vierzehn Monate im Stahltank ausgebaut.
Stefan Keller stellt die Frage, wem welcher Weisswein am besten zum Käse mundete. Erstaunlicherweise bekommen die Weine je einen Viertel der Stimmen.

Rote Herausforderung
Passt Rotwein zum Raclette und wenn ja, welcher? Zum zweiten Raclette gibt es als erstes einen Gamay Champortay von der Domaine Gérald Besse zu probieren. Im zweiten Glas wird der grössere Bruder des Gamays, ein Dôle La Liaudisaz von der Domaine Chappaz eingeschenkt. Der Dôle ist eine Walliser Spezialität und wird vor allem aus Gamay und Pinot Noir assembliert. Meist überwiegt der Pinot Noir Anteil. Die Trauben für den La Liaudisaz wachsen beidseitig der Rhone.
Der Nihilo vom Genfersee ist spezieller Wein aus dem Haus Henri Cruchon. Nihilo, das Nichts bezieht sich auf die besondere Art der Herstellung ab. Die Familie Cruchon verichtet auf alle möglichen Zugaben wie Schwefel und das Filtrieren. Der Nihilo, der auch als Vin naturel bezeichnet werden kann, besteht je zur Hälfte aus Gamay und Pinot Noir Trauben. Auch ein Aargauer Pinot Noir passt sehr gut. Adrians Pinot Noir aus dem Schenkenbergertal macht den Abschluss des Rotweinflights. Der reinsortige Wein reift zu zwei Dritteln im Stahltank und zu einem Drittel in gebrauchten Barriques.
Stefan Keller stellt auch hier die Frage, wer welchen Wein zum Raclette wählen würde. Die vier Weine bekommen je einen Viertel der Stimmen. Das Resultat des spannenden Abends ist wohl, dass man den Wein zum Raclette trinken darf und muss, der der persönliche Lieblingswein ist.Ob die Wahl traditionell oder eher experimentierfreudig sein soll, ist somit nicht abschliessend beantwortet.

Judith Baumann