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Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

Mit anhaltendem Applaus danken die Anwesenden Peter Bigler für seine Präsentation.

Die Côtes de l’Orbe

Als Kenner der schweizerischen Weinkultur erweist sich, wer die Côtes de l’Orbe mit ihren Weinen schon kennt und schätzt. Zwischen La Sarraz und dem Neuenburger See gelegen ist sie ein Teil der nördlichen Weinregion der Waadt.

Die Côtes de l’Orbe AOC wird vielfach als älteste Weinregion der Schweiz beschrieben. Die Gäste der Degustation einer Auswahl von Weinen der Côtes de l’Orbe wurden zum Einstieg mit einem Chasselas Bellevue der Cave Mirabilis von Agiez empfangen.

Charakterisierung der Côtes de l'Orbe
Bekannt ist, dass schon die Römer die Weinkultur in die Schweiz brachten. Dass die Côtes de l’Orbe aber zumindest zu den ältesten Weingegenden der Schweiz gehört, wenn nicht sogar die älteste ist, jedoch weniger. Im Mittelalter trugen hier wie anderswo ab etwa dem zehnten Jahrhundert auf Landschenkungen fussend die Klöster den Weinbau. Der Wein wurde zu einem begehrten Getränk und wurde neben anderen Produkten aus der Côtes de l’Orbe über grössere Strecken zu den Abnehmern transportiert. Der Transport war mit Lastkähnen einfacher als mit Fahrwagen. Das führte zum Projekt des Ausbaus einer Wasserstrasse, die mit dem letztlich gescheiterten Bau des Canal d’entre Roches über viele Schleusen die europäische Wasserscheide bei La Sarraz überwinden sollte. Die Côtes de l’Orbe wäre fast zum ‘Milieu du monde’ geworden. Aus der Gegend vom Hafen von Orbe gelangten auch Fässer voller Wein in die Ambassadorenstadt Solothurn. Nicht jedes Fass erreichte unbeschadet die dort residierenden französischen Gesandten. Die Schiffsleute stillten auf der Fahrt ihren Durst oft über Gebühr und kamen im Zustand ‘chargé pour Soleure’ am Bestimmungsort an.

Weine von vier Kellereien
Peter Bigler stellte in der Degustation Weine des Château d’Eclépens, der genossenschaftlichen Kellerei Cave des 13 Coteaux in Arnex-sur-Orbe, der Cave Mirabilis in Agiez und der Cave Châteaux de Valeyres vor, die repräsentativ das Gebiet der Côtes de l’Orbe abdecken. Der Cave des 13 Coteaux umfasst heute rund fünfzig Mitglieder, die sich mit ihren fünfzig Hektaren Rebbfläche auf dreizehn Gemeinden verteilen.

Als ersten Wein wurde ein aus Chasselas und Chardonnay gezüchteten Doral vom Cave Château de Valeyres probiert. Die Doral ist eine exklusiv im Waadtland und Wallis beheimatete Rebsorte ergibt einen etwas mineralischen, frischen und aromatischen Weisswein. Von Cave des 13 Coteaux stammten der Sauvignac und der Souvignier gris.

Drei der acht Rotweine stammten von der Cave Château de Valeyres. Sie sind alle tief-dunkel. Der Le Courson, eine Assemblage aus Gamaret und Garanoir war geschmeidig, elegant und von Aromen reifer Früchte begleitet. Der Mara ist wohlschmeckend und bringt Anklänge an dunkle Beeren und auch Liebstöckel mit. Diese vorwiegend in der Waadt beheimatete Rebsorte wurde vor etwa fünfzig Jahren aus den Rebsorten Gamay und Reichensteiner entwickelt. Das Grundstück des Château de Valeyres befand sich im sechzehnten Jahrhundert im Besitz von Jacques de Galléra und nach ihm ist einer der Rotweine benannt.

Peter Bigler brachte von der Cave Mirabilis den Mirabilis und einen Merlot Barrique mit. Der Mirabilis zeichnet sich durch ein intensives Purpurrot, Aromen von dunklen Früchten und Gewürzen aus. Der im Barrique ausgebaute Merlot Grand Cru weckt Erinnerungen an Aromen von Cassis, Waldfrüchten aber auch Gewürzen. Das Château d'Eclépens war mit einem Gamaret Bio, einem Garanoir Bio und der Cuvée Entreroches Bio vertreten. Im kleinen Burgunderfass ausgebaut kommt der Gamaret Bio kräftig, mit gut eingebundenen Tanninen daher. Eine ausgewogene Balance zwischen Kraft und Fruchtnoten wies der leicht würzige Garanoir Bio aus, der zweiundzwanzig Monate im Eichenfass reifte. Dem Canal d'entre Roches ist die vollmundige Cuvée Entreroches Bio Gamay d'Arcenant gewidmet. Dieser reinsortige, intensive und kräftige Wein reifte während achtzehn Monaten in den besten Eichenfässern. Der aus einer Auslese verschiedener Gamay bereitete Wein ist ein hervorragender Repräsentant der Arbeit und der Qualität der Domaine Château d'Eclépens.

Die an diesem Abend verkosteten Weine der Côtes de l'Orbe wiesen alle ein abgerundetes Geschmackserlebnis auf. Nicht zuletzt, deshalb wurden die von Peter Bigler oft verwendeten Begriffe harmonisch und Harmonie zu einem Kennzeichen seiner Präsentation und lösten machen Schmunzler aus.

Sylvia Gisiger