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Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

Präsidentin Ursula Baumann dankt Referent Urs Goetschi.

Auf unbekannten Pfaden

Die Region im Nordwesten Italiens ist bestens bekannt als Rebbaugebiet, vor allem für Barolo, Barbaresco und Barbera. Urs Goetschi zeigt eine andere Seite der piemontesischen Weinwelt und stellt verschiedene Gewächse aus weit weniger geläufigen Sorten wie Nascetta, Timorasso, Grignolino und Albarossa vor. Ein Abend voller Entdeckungen der begeistert. 

Die Anbauregion ist berühmt für Barolo und Barbaresco, welche aus der Nebbiolo-Traube gekeltert werden, sowie für Barbera und Weissweine aus der Arneis-Traube. Die wichtigsten Anbaugebiete sind Langhe, Monferrato, Roero, Gavi und das Alto Piemonte mit Ghemme und Gattinara, die gesamte Rebfläche beträgt knapp fünfzigtausend Hektaren. Urs Goetschi, der Referent des heutigen Abends, weist darauf hin, dass aktuelle Jahrgänge bekannter Gewächse in der Regel nicht trinkreif und reife Jahrgänge oft kaum bezahlbar sind.

Auf unbekannten Pfaden
Die Weinfreundinnen und -freunde wollen neue Wege beschreiten mit einer Degustation zum Thema Piemont, an der die allseits bekannten Hauptrebsorten nicht vertreten sind. Präsentiert werden reinsortige Weine aus wenig geläufigen, zum Teil fast in Vergessenheit geratenen Sorten. Zuerst wird ein Gavi aus der gleichnamigen Gemeinde ausgeschenkt. Dieser fruchtige Weisse stammt aus einer eher kühleren Gegend und ist aus Cortese-Trauben gekeltert. Darauf folgen weitere Weisse, ein Nascetta, ein Favorita (eine autochthone Spielart des Vermentino) und ein Timorasso, jeweils aus der gleichnamigen Sorte erzeugt. Timorasso erfreut sich heute zunehmender Beliebtheit und befindet sich vor allem in den Colli Tortonesi im Aufschwung. Die Vorspeise, ein Vitello tonnato, begleitet er ideal.

Rotweine zum Entdecken
Aus der kleinen Ortschaft Verduno in der Langhe stammt der Pelaverga. Diese rote Sorte wird nur von etwa zwanzig Winzern angebaut. Die typische Pfeffernote ist gut erkennbar. Der Gamba di Pernice ist eine Rarität aus der Provinz Asti. Der im Stahltank ausgebaute Grignolino macht den Abschluss dieses Flights. Alle drei Rotweine passen ausgezeichnet zum Steinpilzrisotto. Im nächsten Flight wird ein Ruché ausgeschenkt, welcher vom bekannten italienischen Weinführer Gambero Rosso die höchste Auszeichnung Tre Bicchieri erhalten hat. Die Sorte wurde in den 1970-er-Jahren wiederentdeckt und gilt als autochthon. Beim Albarossa ist einer der Kreuzungspartner Barbera und der ausgeschenkte Tropfen erinnert geschmacklich auch an einen solchen. Nibiò ist eine alte Variation der Dolcetto-Rebe und ergibt alkoholhaltige Weine, welche an Fruchtkompott erinnern. Jeder dieser Tropfen findet seine Anhänger. Trotz diverser Auszeichnungen blieben die Preise zum Glück moderat.  

Das Kennenlernen qualitativ hochstehender Gewächse aus wenig oder kaum bekannten Rebsorten aus dem Piemont war ein besonderes Erlebnis. Urs Götschi führte durch den Abend und bescherte den Teilnehmenden zahlreiche lohnenswerte Entdeckungen.

Christoph Mutti

Die degustierten Weine (alle reinsortig):

  • Gavi di Gavi DOCG 2023 (Sorte: Cortese), Tenuta Olim Bauda, Incisa Scapaccino
  • Langhe Nascetta ‘La Regina’ DOC 2023, Serra dei Fiori (Braida), Trezzo Tinella
  • Langhe Favorita DOC 2022, Fratelli Alessandria, Verduno
  • Derthona Timorasso Colli Tortonesi DOC 2020, La Colombera, Vho di Tortona
  • Verduno Pelaverga DOC 2023, Diego Morra, Verduno
  • Gamba di Pernice, Vino rosso 2016, Cantina collina d’oro, Calosso
  • Grignolino d’Asti DOC ‘Isolavilla’ 2021, Tenuta Olim Bauda, Incisa Scapaccino
  • Ruché di Castagnole Monferrato DOCG 2021, Montalbera, Castagnole Monferrato
  • ‘La Lus’ Albarossa Piemonte DOC 2020, Banfi, Montalcino
  • ‘Suciaja’ Colli Tortonesi DOC 2018 (Sorte: Nibiò), La Colombera, Vho di Tortona
  • Brachetto d’Asti DOCG 2023, La Gironda, Nizza Monferrato