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Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

Präsidentin Claudia Bäbler-Rück bedankte sich mit einem Geschenk bei Paolo Goglia für seine fachkundigen und spannenden Ausführungen.

Jungwein-Degustation bei Rutishauser-Divino SA

Die Jungwein-Degustation gehört zu den Höhepunkten im Jahresprogramm und wird von den Mitgliedern jeweils mit grosser Spannung erwartet. So begrüsste die Präsidentin auch dieses Jahr zahlreiche Weinfreundinnen und Weinfreunde. Besonders freute sie sich über den Besuch von Reto Schweizer und Peter Hofmann aus der Sektion Thurgau.

Paolo Goglia, seit 2024 Betriebsleiter bei Rutishauser Divino, gab spannende Einblicke in den aktuellen Jahrgang. Das Weinjahr 2025 zeigte eindrücklich die Herausforderungen des Weinbaus: Nach Prognosen einer Rekordernte führten starke Herbstniederschläge zu Ernteverlusten von rund 25 Prozent. Ähnliche Einbussen verzeichneten auch Schaffhausen und Thurgau, während im Aargau stellenweise fast die Hälfte der Ernte verloren ging. Trotz dieser Herausforderungen bleibt der Weinbau im Kanton Zürich dynamisch und geprägt von Pinot Noir und Riesling-Sylvaner.

Mit der ersten Weinserie wurde rasch deutlich, wie vielseitig sich der junge Jahrgang 2025 präsentiert. Vom frischen und feinwürzigen Müller-Thurgau vom Iselisberg bis zum eleganten Räuschling aus Weiningen spannte sich ein abwechslungsreicher Bogen durch die Ostschweizer und Zürcher Weinlandschaft.

Besonders interessant waren die Erläuterungen zu den einzelnen Weinen. So zeigte sich der Chardonnay aus Wiesendangen als klassischer Vertreter seiner Sorte mit feiner Säure und wenig Restzucker. Der aromatische Elbling aus Ermatingen brachte etwas mehr Fülle ins Glas und sorgte für angeregte Diskussionen unter den Weinfreunden. Für einen besonderen Akzent sorgte schliesslich der Sauvignon Blanc aus Trimmis: Seine Aromen von Stachelbeeren und Holunderblüten verdankte er unter anderem einer rund einwöchigen Standzeit des gepressten Saftes vor der Vergärung. Frisch, aromatisch und vielversprechend hinterliess die erste Serie einen ausgezeichneten Eindruck und machte neugierig auf die weiteren Weine des Abends.

Muscaris – drei Facetten einer aufstrebenden Rebsorte

Die Muscaris-Serie brachte eine neue Dynamik in den Abend. Drei Weine, drei Charaktere.

Der Herbstgold Muscaris zeigte sich frisch und lebendig, der Goldenberg-Muscaris etwas komplexer. Aromen von Zitrus, grünem Apfel und Muskatblüte verbanden sich mit einer feinen Mineralität und einem eleganten, anhaltenden Abgang – ein Wein mit viel Charakter.

Der Muscaris ‘Freiraum’ war geprägt von exotischen Fruchtaromen, floralen Noten und einer animierenden Säure. Durch eine längere Maischestandzeit gewann er zusätzlich an Ausdruck und Struktur, ohne an Frische zu verlieren.

Es folgten zwei weitere Weissweine aus dem Winterthurer Goldenberg, die die Eigenständigkeit dieser Lage eindrücklich zum Ausdruck brachten. Der Riesling-Sylvaner überzeugte mit klassischer Eleganz feiner Würze und mineralischer Frische. Der Sauvignon Blanc zeigte sich deutlich aromatischer mit Noten von tropischen Früchten, Zitrus und Stachelbeere sowie einer lebendigen Säure, die am Tisch für angeregte Diskussionen über seinen typischen Sortencharakter sorgte.

Mit den Rotweinen wechselte die Degustation zu mehr Tiefe und Struktur. Paolo Goglia erinnerte daran, dass er im Vorjahr eine klare Entwicklung angekündigt hatte – ein Versprechen, das sich nun bestätigte.

Der Pinot Noir vom Goldenberg zeigte sich klar, gradlinig und ehrlich. Der Weinprofi in der Runde brachte es auf den Punkt: selten so sauber und überzeugend in dieser Einfachheit. Der Gameret aus Wiesendangen setzte mit dunkler Frucht und Würze einen wärmenden Akzent. Für eine Überraschung in der Reihenfolge sorgte der Weisswein aus Trimmis: Der Sauvignon Blanc zeigte sich cremig, mineralisch und feiner Holznote.

Zum Schluss folgte eine besondere Weinkategorie: drei alkoholfreie Weine aus Deutschland. Diese entalkoholisierten Produkte sind aufwändig in der Herstellung, zeigen jedoch einen deutlichen Aromaverlust. Auch wenn die Nachfrage nach solchen Alternativen insgesamt steigt, blieb die Resonanz unter den Weinfreunden an diesem Abend eher verhalten – insbesondere im Vergleich zu den klassischen Weinen zuvor.

Die Präsidentin dankte Paolo Goglia für seine fachkundigen und spannenden Ausführungen und überreichte ihm als Zeichen der Wertschätzung ein Geschenk. Mit Applaus endete der offizielle Teil, doch an den Tischen wurde lange weiter diskutiert und degustiert.

Monika Di Michele

ZH Weinland 280526 Jungwein 2