Ein bereicherndes Fest mit vielen Genusspunkten
75 Jahre ANAV, 50 Jahre Sektion Schaffhausen: Grund genug für die Schaffhauser das Fest der Weinfreunde auszurichten. Die rund 145 anwesenden Weinfreunde genossen ein perfekt organisiertes Fest inmitten der malerischen Altstadt.
Wie so oft galt auch am Fest der Weinfreunde: zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Nach der Begrüssung samt Kaffee und Gipfeli hiess es für die Delegierten, sich zu versammeln und zu Rechnung, Budget und künftiger Kommunikation Entscheide zu treffen. Über die ‘Arbeit’ tröstete zumindest die Lokalität hinweg: Die Delegierten tagten im Kantonsratssaal, ein historischer Saal voller kunstvoller Holztäfelungen, der dazu verleitete, sich von den Traktanden ablenken zu lassen. Geehrt wurden die Teilnehmenden durch die Ansprache des Regierungsrats Dino Tamagni, dem als Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes auch die Sorge um die Schaffhauser Winzer obliegt. Die Versammlung ging zügig vonstatten, die üblichen Traktanden wurden bis auf das Budget, das schliesslich auch gutgeheissen wurde, ohne Diskussionen durchgewinkt.
Interessante Weingeschichten
Während dieser Zeit genossen die übrigen Festbesuchenden bereits ein erstes Angebot des ansprechenden Begleitprogramms. Da lockte beispielsweise eine Altstadtführung, die den Reisenden Schaffhausen unter dem Blickwinkel des Weins näherbrachte. Wusste denn jemand zuvor, dass in der Stadt Schaffhausen früher rund 70 Torkel beheimatet waren? Oder der Wein in den Kellern hektoliterweise lagerte? Oder dass viele Keller unterirdisch miteinander verbunden waren – was gestandene Schaffhauser Weinfreunde in ihren Jugendtagen beim Feiern im Untergrund (so störte die laute Musik niemanden) noch selbst überprüften.
Nach der ersten Tour durch die Stadt oder nach der Delegiertenversammlung knurrte der Magen und ein erstes Glas Wein führte alle wieder zusammen. Den Weinfreundinnen und Weinfreude wurde Schaffhauser Staatswein ausgeschenkt, ein Wein, der nicht käuflich ist. In den Genuss gelangt man bloss, wenn er geschenkt oder eben ausgeschenkt wird.
Nun hiess das zweite Angebot des Begleitprogramms die Teilnehmenden wieder nach draussen: Etwa eine Tour durch die Stadt bis zum Schaffhauser Stolz und Wahrzeichen, zum Munot und zurück. Oder etwa zu den Reben im Stokarberg, einem agronomischen Leuchtturmprojekt. Weil dieser Rebberg von Häusern umgeben ist, kommt die traditionelle Bewirtschaftung mit synthetischen Spritzmitteln nicht infrage. Der Ausweg war, Reben zu wählen, die weniger pilzanfällig sind, in diesem Falle Sauvignac, Souvignier gris, Satin noir und Divico.
Musik, die unter die Haut ging
Das vierte Angebot, eine musikalische Degustation zur Frage ‘Wie klingt Schaffhauser Wein?’ in der Kirche St. Maria rief bei manchen Zuhörenden eine wohlige Gänsehaut hervor. Zu einem Glas Schaumwein, je zwei Weiss- und zwei Rotweinen intonierte der Organist Roberto Alfarè Musik, die ihm zum Wein passend erschien. Dabei liess er durchaus die Rückmeldungen der Weinfreundinnen und Weinfreunde in die nächste Weinbegleitung einfliessen. So hörten die verschiedenen Gruppen jeweils unterschiedliche Musik.
Wie klingt den jetzt Schaffhauser Wein wirklich?
Die Weinfreunde haben sich am Fest der Weinfreunde in Schaffhausen diese Frage gestellt. Organist Roberto Alfarè hat zu verschiedenen Weinen improvisiert, hier zum Wein Munötler, ein Pinot Noir 2022 - natürlich aus Schaffhausen.
Sehen und hören sie selbst hier im Youtube-Video! Fotos des gesamten "Fest der Weinfreunde" sind hier zu finden!
Der nächste Programmpunkt war die alljährlich stattfindende ‘Schafuuser Wiiprob’ im Kreuzgang zu Allerheiligen, wo die Teilnehmenden die Weine von über 30 Schaffhauser Weinproduzenten degustieren konnten. Dies war ein würdevoller Rahmen für die Gewächse, die trotz des Namens der Region sich nicht bloss auf Blauburgunder beschränkten.
Gratulation der Weingilde Gallus
Schliesslich rief das Gala-Dinner die Weinfreundinnen und Weinfreunde zu Tisch, um dabei auf die 75 Jahre ANAV anzustossen. Zu den 50 Jahren, auf welche die Sektion Schaffhausen gleichzeitig zurückblicken kann, überbrachten die Weinfreunde der Weingilde Gallus – die vor 50 Jahren übrigens als Taufpaten der Schaffhauser amteten – eine sinnige und weinige Festrede an. Als Geschenk überreichten sie einen kunstvollen Glaskrug, der nicht bloss für Wasser zu gebrauchen ist.
Prix Ami du Vin überreicht
Als ob der Feierlichkeiten nicht genug wären, wurde an diesem Abend auch der Prix Ami du Vin überreicht an den diesjährigen Preisträger Hermann ‘Stikel’ Schwarzenbach. In einer leicht launigen Laudatio wurden seine Verdienste für den Schweizer Wein hervorgestrichen: die Entdeckung der Hefe 1895, die Förderung des Räuschlings, seine Tüfteleien für bessere Wein-Utensilien und nicht zuletzt seine Offenheit und der aktive Austausch mit anderen Winzern. Strahlend nahmen er und seine Frau Cécile den Wanderpreis in Empfang. Die nächsten zwei Jahre wird er ihr Heim zieren.
Tags darauf
Am Sonntagmorgen sah das Programm für die Weinfreundinnen und Weinfreunde einen Besuch in Osterfingen vor. Ab Wilchingen führte der Weg in leichtem Spaziergang durch die Reblagen, immer wieder unterbrochen von Erklärungen zu den umliegenden Dörfern und Legenden zu deren Bewohnenden. Einzig eine Treppe hat den einen oder die andere etwas zum Schnaufen gebracht. Da als Überraschung am oberen Ende eine imposante Höhle samt Bänken und kühlen Weinflaschen wartete, störte sich niemand an der kleinen Anstrengung. Die Familie Gysel vom Weingut zum Haumesser schenkte Federweissen und Riesling Sylvaner aus.
Weiter ging es in gemütlichem Tempo vorbei an der Bergtrotte Osterfingen zum Weingut Lindenhof, wo nach einer Degustation und einem währschaften Mittagessen das Fest der Weinfreunde gemütlich ausklang.
Charlotte Pauk