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Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde

(ANAV)

 

Freudige Preisübergabe an Hermann ‚Stikel‘ Schwarzenbach

Gegen hundert Personen versammelten sich, um die feierliche Übergabe des Prix Ami du Vin an Hermann ‚Stikel‘ Schwarzenbach zu zelebrieren. Ein besonderer Höhepunkt war die Degustation aus dem Fundus des Weingutes Schwarzenbach.

Die Gäste konnten den Einlass zur Degustation auf dem Weingut Schwarzenbach kaum erwarten. Kein Wunder, denn es erwartete sie je eine Degustationsreihe Räuschling und Pinot Noir der Jahre 2011 bis 2023, respektive 2022, sowie eine breite Auswahl gereifter Weine aus dem Keller Schwarzenbach, etwa ein Klevner von 1964, den noch Stikels Vater gekeltert hatte. Weinfreunde und Vertretende von Medien, Behörden und Branchenverbände waren erstaunt über die Präsenz und Qualität der älteren Jahrgänge, genossen aber ebenso die jüngeren Weine.

Als Stikel 1979 die Leitung von seinem Vater übernommen hatte, war er gerade frisch aus Australien zurückgekehrt. Das Wetter begünstigte seine ersten Jahre im Weingut nicht. Doch nicht nur deshalb wirft er in seiner Dankesrede an der Preisverleihung im Löwen in Meilen einen kritischen Blick auf diese Jahre: „Damals war ich noch sehr technikgläubig. Im Rückblick haben sich diese Weine jedoch nicht gut gehalten.“

Stikel ist auch neugierig und ein Tüftler. So hat er zwar die Traditionen des Rebgutes weitergeführt und den am Zürichsee heimischen Räuschling weiterhin angebaut. Jedoch hat er ihn im Ertrag reduziert, den richtigen Standort gesucht und damit der Sorte zu neuem Aufschwung verholfen. Auch andere Traubensorten probierte Stikel aus, unter anderem Shiraz, mit der er in seinen Wanderjahren in Australien arbeitete und die damals in der Schweiz bloss die Walliser anpflanzten. Als noch niemand von Spontanvergärungen redete, experimentierte Stikel damit. „Es ist nicht der Mensch, sondern die Kleinstlebewesen, die Mikrobiologie, die den Wein macht“, wirft Stikel in seiner Rede ein. Diese Überzeugung verleitete ihn dazu, das Depot aus einer Degustation mit über hundertjährigen Weinen vom Mikrobiologen Professor Jürg Gafner untersuchen zu lassen. Das Ergebnis ist bekannt: in der Flasche des Jahrgangs 1895 fanden sich Hefezellen, die noch lebendig waren und im Gärversuch robustes und geschmacksneutrales Verhalten zeigten.

Sein Wissensdurst verleitete ihn auch dazu, zusammen mit Fachleuten den Drehverschluss zu optimieren und so die Flasche dicht zu machen. In seinen Investitionen konnte ihn teils auch seine Frau Cécile, die über die Finanzen wachte, nicht bremsen. Ohne ihre Unterstützung hingegen, wäre das Weingut nicht so erfolgreich, wie es heute ist.

Die nächsten zwei Jahre wird der vom Künstler Alesch Vital gestaltete Skulptur mit dem Namen „Der erste Winzer“ das Zuhause von Herman ‘Stikel’ Schwarzenbach und seiner Frau Cécile zieren. Zur Freude des Preisträgers: „Ich fühle mich geehrt, dass ich ihm nach meinen Vorgängern ein vorübergehendes Zuhause bieten darf“. Vor ihm waren der inzwischen verstorbene Thomas Donatsch und der Biologe und Ampelographe Dr. José Vouillamoz mit dem Preis ausgezeichnet worden.

chp

Sämtliche Fotos in diesem Beitrag und im nachstehenden Fotoalbum stammen von Men Clalüna. 
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