Vier Tage Burgund
Nach neun lagen Jahren begaben sich die Weinfreunde Engadin wieder einmal auf Reise. Diesmal zog es sie für vier Tage ins Burgund.
Während im Engadin der Winter nochmals zurückkehrte, verliess die Reisegesellschaft das verschneite Engadin im Zug nach Basel. Dort bestiegen die 30 erwartungsfrohen Weinfreundinnen und Weinfreunde den TGV und brausten mit über 300 Stundenkilometern dem Ziel in Dijon entgegen.
Nach dem Zimmerbezug bot Präsident und Reiseleiter Jochen Schneider eine Stadtführung an. Dabei war nicht nur der omnipräsente Senf ein Thema. Das gediegene Nachtessen im Restaurant ‘Les Remparts’ rundete den Reisetag ab.
Die nächsten zwei Tage galten dem Pinot und dem Chardonnay. Die Reisenden besuchten Weingüter um das weltbekannte Städtchen Beaune in der Region Còte d’Or. Dabei wurden sie von einem ortsansässigen Car-Unternehmen sicher und zeitnah an die verschiedenen Besuchsorte und wieder zurück zum Hotel in Dijon gefahren.
Das erste Ziel war das ‘Château de Chassagne Montrachet’ der Famille Picard im gleichnamigen Ort, südwestlich von Beaune. Auf 140 Hektaren an vier verschiedenen Lagen produzieren die Picards von einfachen Pinot’s und Chardonnay’s bis zu Grand Crus. Ein grosser Teil der Weine geht in den Export nach Übersee und Asien. Das Château hat sich verpflichtet, verschiedene umweltschonende Praktiken zu übernehmen – gemäss dem Umweltmanagementsystem PLINE (ISO 14001).
Anschliessend verschoben sich die Reisenden mit dem Bus nach Levernois südlich von Beaune zum Restaurant ‘L’O à la bouche’, wo sie die einzigen Gäste in dem gemütlichen und stilvollen Lokal waren. Zum Seelachsrücken genossen sie einen ‘Vacqueras’ der Domaine Chapoutier, respektive einen Viognier der Domaine Samson.
Selbst Hand anlegen
Schnell ging’s schon wieder weiter, zurück nach Beaune. Bei der Firma ‘L’art de tonneau’ wurden sie von Frédéric Gillet in seiner modernen Küferei empfangen. Der Elsässer Daniel führte sie auf Deutsch mit launigen Worten in die Kunst der Fassherstellung ein. Nach der Theorie ging’s an die Gruppenarbeit. Zu fünft sollten sie selber ein Fass herstellen – die Resultate fielen sehr unterschiedlich aus und wurden von Daniel entsprechend kommentiert. Zum Abschluss degustierten die ‘Handwerker’ einen Chardonnay vom selben Weinberg am gleichen Tag gelesen, einmal aus dem Stahltank und einmal aus dem Barrique. Es waren zwei komplett verschiedene Weine.
Weiter ging’s in die Höhe von Marey-les-Fussey zum kleineren Weingut der Familie Thevenot. Dieses liegt auf etwas über 400 Metern über Meer in der Appellation Hautes Côtes. Die Thevenot’s produzieren im Vergleich zu den am Morgen degustierten Weinen eher einfachere Bio-Weine. Die Weine haben ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Nebst Pinot noir und Chardonnay bauen die Thevenot’s auch Aligotè und Pinot Beurot aus.
Zurück in Dijon ging’s bald weiter zum Nachtessen im Restaurant ‘La Fine Heure’. Nach einem reichhaltigen Apèro im Keller wählten die Teilnehmenden im Restaurant zur Vorspeise escargots oder einen Salat. Das anschliessende Filet de Cochon au sauce Chablisienne war hervorragend.
Tags darauf erwartete der Carchauffeur die Reisenden. Dijon ist bekannt für die schwarze Johannisbeere, die Cassis-Beere. In Nuit St. Georges gibt es das ‘Cassissium’. In diesem Gebäudekomplex in der Industriezone erfuhren die Weinfreundinnen und Weinfreunde alles über die Verwertung der schwarzen Beeren, inklusive einer Verkostung von verschiedenen Likören.
Nach einem kurzen individuellen Bummel in Nuits St. Georges fuhren sie nach Aloxe Corton, wo sich die besten Lagen der Grand Crus befinden. Im berühmten Gut ‘Comte Senard’ geniessen sie ein Mittagessen mit dem Hauptgang ‘Boeuf Bourguignon et son gratin dauphinois’, dazu zwei gutseigene Cru’s und drei Grand Cru’s. Die Einkehr bei Comte Senard war kulinarisch wie önologisch der Höhepunkt der Reise.
Riesige Terroir-Vielfalt
Gut gelaunt ging’s im Car wieder zurück nach Beaune. Nach etwas Freizeit empfing Francois Rocault vom gleichnamigen Weingut die Reisegruppe. Während der Fahrt nach Orches erzählte er auf Deutsch viel Wissenswertes über das Burgund und den Weinbau in der Region. Francois Roccault führt das Weingut in Orches zusammen mit der Gemahlin Blandine und seinem Sohn Lucien in 18. Generation (seit 1470). Orches liegt auf gut 500 Metern über Meer und ist auf einer schmalen Bergstrasse von zwei Seiten erreichbar. Das Weingut der Familie Rocault umfasst 15 verschiedene Appellationen auf 36 Parzellen, die sich über die Hautes-Côtes und die südliche Côte de Beaune erstrecken. Diese grosse Vielfalt spiegelt die Diversität der Terroirs Burgunds und ist eng mit der Geschichte des Landes, seiner Geologie und seinem Klima verbunden. Die Verkostung der acht Weine im alten Keller der Familie Rocault bestätigt die Vielfältigkeit seiner ausgezeichneten Weine.
Nach dem Abschied von François und Blandine bringt der Chauffeur auf der sehr schmalen Strasse alle sicher bis nach St. Aubin. Im Château St. Aubin, im Restaurant ‘Prosper’ geniessen die Reisenden noch ein letztes Mal die haute cuisine bourgogne, begleitet von einem ‘Santenay Comme Dessous’ und ein ‘Mercurey 1er Cru’ aus dem eigenen Hause Prosper Maufoux.
Ein Fehl-Feueralarm holte am nächsten Morgen alle aus den Federn. Individuell begaben sich die Reisenden zur ‘Cité de la gastronomie’ und genossen im Restaurant ‘La cuisine experimentelle’ einen ausgiebigen Brunch bevor die Heimreise startete.
Die Reise war von Jochen und Gabi Schneider hervorragend organisiert und mit Erwin und Miranda rekognosziert. Alles klappte bestens. Das Programm war in keiner Weise stressig und das Preis-Leistungsverhältnis sehr gut.
Erwin Küng
In der Tonnellerie durften die Weinfreundinnen und Weinfreunde auch selbst Hand anlegen (unten).
