Liebe Weinfreundinnen und Weinfreunde
Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln momentan meine Nase, in kurzer Zeit wird die Frühlingssonne meinen Rücken bereits angenehm wärmen. Doch was mir und vielen andern in diesen Tagen Hochgenuss bereitet, kann im Hochsommer und in einigen Weltgegenden zur Qual werden. Es wird stetig heisser auf der Erde, die Klimaerwärmung schreitet unaufhaltsam voran. Die Auswirkungen zeigen sich nicht nur bei den Menschen, die im Schatten und in gekühlten Räumen Schutz suchen. Auch in den Rebbergen ist ein Umdenken gefragt. Schon länger ist bekannt, dass sich Sonnenbrand auf den Traubenhäuten olfaktorisch im Wein manifestiert und für die Trauben deshalb ein Gleichgewicht zwischen Besonnung und Schatten angestrebt wird. Die Klimaerwärmung zeigt sich aber auch in den jährlich früheren Ernten.
Weil anfangs September die Nächte noch warm sind, ist die Aromenausbildung weniger intensiv – zum Bedauern der Weinproduzierenden und der Konsumierenden. Spinnt man die Gedanken in die Zukunft, beispielsweise ins Jahr 2080, so droht unseren Reben Trockenstress, Hitze und gleichzeitig mehr Wetterextreme wie Hagel, Sturm und Frost. Die in Küstenregionen stehenden Reben droht durch den steigenden Meeresspiegel Versalzung und Brackwassersumpf. Die Herausforderungen, die auf die Weinwelt zukommen werden, sind anspruchsvoll.
Doch wenden wir uns Erfreulicherem zu: Im Spätherbst fand zu Ehren von Hermann ‘Stickel’ Schwarzenbach, dem Träger des Prix Ami du Vin 2025, ein grosses und ausgelassenes Fest in Meilen statt. Die zahlreichen Besuchenden genossen eine breite und interessante Vertikaldegustation von Räuschling und Pinot Noir. Ausserdem zauberten Stikel und seine Frau Cécile ein gutes Dutzend gereifte Jahrgänge, die teilweise noch der Vater von Stikel gekeltert hatte. Der Degustation folgte ein Festschmaus im Löwen, auch hier wieder begleitet von Weinen des Weingutes Schwarzenbach. Viele zufriedene und lachende Gesichter prägen die Erinnerung an den gelungenen Anlass. Wer nicht dabei sein konnte, hat einen einmaligen Event verpasst.
Ebenfalls erfreulich ist, dass diesen März wiederum 41 Dreierteams sich an der Regionalausscheidung für die Coupe ANAV über knifflige Theoriefragen beugten und die Nase und Stirn über den Weingläsern ob der vielen Unsicherheiten kraus zogen. 18 Teams haben sich für das Finale am 20. Juni qualifiziert. Bis dahin rätseln die Teams, welche Fragen und Weine der Präsident der Coupe ANAV Felix Indermaur zusammenstellt. Alle anderen dürfen beim Schnuppern an ihren Gläsern den Genuss in den Vordergrund stellen.