Liebe Weinfreundinnen, liebe Weinfreunde
Bereits ist die Coupe ANAV, die Delegiertenversammlung in Berneck sowie das festliche Rahmenprogramm samt Gala-Diner 2026 Vergangenheit. Schön war es, erfrischend, der Austausch zwischen den Weinfreundinnen und -freunden, genüsslich und inspirierend das perfekt organisierte Tagesprogramm, das die Weingilde Gallus ausrichtete. Dass an diesem Tag das Trinken – nicht nur von Wein, sondern auch von ganz viel Wasser – Pflicht war, lag nicht nur an den zu degustierenden Weinen aus der nahen Umgebung, sondern auch an den heissen Temperaturen des Tages.
Heiss sind zurzeit auch die Diskussionen um die neue Verordnung zu Importbeschränkungen des Weins, die bis Mitte Juni in Vernehmlassung waren. Gemäss diesen soll künftig nur noch Wein aus dem Ausland importieren können, wer auch Schweizer Trauben kauft und vinifiziert. Die Höhe der Importkontingente hängt von der Menge der gekauften und verarbeiteten Schweizer Trauben ab. Damit will der Bund den Verkauf von Schweizer Wein fördern.
Ein paar Zahlen: Aktuell gewährt der Bund für Wein ein Zollkontingent von 170 Millionen Litern. Innerhalb dieses Kontingentes beträgt der Zollsatz für Weiss- und Rotwein 50 Franken pro 100 Kilogramm Wein. Ausserhalb des Kontingentes sind die Zollsätze mit drei Franken für Weisswein und 2,45 Franken für Rotwein deutlich höher. Im Jahr 2025 wurden 126 Millionen Liter Wein importiert, das Kontingent also nicht ausgeschöpft. Momentan werden die Zollkontingente an rund 2100 Personen und Unternehmen vergeben. Mit der neuen Verordnung werden nur noch rund 500 Berechtigte davon profitieren können.
Was würde die neue Verordnung für die Weinkonsumierenden, für die Weinfreundinnen und Weinfreunde bedeuten? Die Preise für den ausländischen Wein würden ansteigen. Gleichzeitig würde die Vielfalt in den Weinregalen massiv abnehmen. Wer eine ausländische Spezialität oder ein Nischenprodukt trinken möchte, würde wohl deutlich mehr Mühe haben, dieses zu finden.
Eine strengere Kontingentierung ist nicht neu. Eine solche bestand bis 2001 und wurde dann aufgehoben mit dem Resultat, dass vor allem mehr Weisswein in die Schweiz importiert wurde. Ein weiterer Effekt war aber auch, dass die Qualität der Schweizer Weine seither angestiegen ist. Die Konsumzahlen zeigen, dass die Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 2025 zwar 3.3 Prozent weniger getrunken haben, als im Jahr zuvor. Gleichzeitig stieg jedoch der Konsum von Schweizer Wein um 2.3 Prozent an. Ist es angesichts dieser Zahlen tatsächlich notwendig, den Schweizer Wein mit Zollkontingenten zu schützen? Wäre es nicht sinnvoller, weiter in die Qualität und die Ausbildung der Weinproduzierenden in allen Landesteilen zu investieren?